Praxis der Ernährungsberatung – Bericht über einen Workshop

Im Rahmen der Diabetestagung habe ich einen Workshop zum Thema „Praxis der Ernährungsberatung“ besucht. 20 Ernährungsberaterinnen und ich lauschten 10 Minuten einem Vortrag über allgemeine Ernährungstipps und Verhältnisangaben, wie sich eine Diabetes-geeingete Kost zusammen setzen sollte, 10 Minuten, danach brach die Missstimmung einiger Teilnehmerinnen sich den Weg durch dünne Geduldsdecke.

Was ich (als Student) als guten Einstieg in die Thematik empfungen hatte, löste bei vielen Teilnehmerinnen ungeduldige Zwischenrufe aus. Es wurde kritisiert, dass der Workshop keine „Praxistipps“ vermitteln würde, beispielsweise wie eine Kohlenhydratarme Diät mit den Patienten gut umzusetzen sei. Beschwichtigungen seitens der Dozentin, dass auch das im Workshop betitelte Thema „Praxistipps“ einen Platz im finden würde, wurden missmutig aufgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass alle anderen Teilnehmerinnen im gesundheitlichen Bereich der Ernährungsberatung arbeiteten, von ärztlicher Seite war ich als Student der einzige Teilnehmer. Durch diese Beobachtung verstand ich den Unmut der Teilnehmerinnen, die, so berichtete es auch meine Nebensitzerin, offensichtlich mit der Erwartungshaltung in den Workshop gegangen seien, nach Beendigung des Workshops praktische Probleme in ihrem Berufsalltag besser lösen zu können. Allgemeine Informationen zur Ernährungszusammensetzung waren für sie überflüssig, da alle ausgebildete Ernährungsberaterinnen waren. Ehrlich gesagt war ich dennoch überrascht, mit welcher Heftigkeit Kritik an der Dozentin nach bereits 10 Minuten geäußert wurde. Einige Teilnehmerinnen verließen den Raum mit Zwischenrufen „dafür hätte ich nicht 40€ bezahlt“. Nachdem die Entrüsteten den Workshop verlassen hatte, entwickelte sich vermehrt eine Diskussion, jedoch ohne dass diese von der Dozentin geleitet oder angeregt wurde. Manche Teilnehmerinnen nahmen Stichworte der Vortragenden auf und begannen daraufhin eigene Erfahrungen zu berichten. Dies empfand ich als unangemessen, muss jedoch zugeben, dass inhaltlich interessante Erfahrungen berichtet wurden. So nahm ich für mich mit, dass die Compliance vieler, vor allem männlicher Diabetespatienten, durch kleine Zugeständnisse in der Ernährung (Cola verdünnen mit Wasser, damit der Geschmack noch erhalten bleibt) deutlich verbessert werden kann. Auch die geforderte vermehrte Bewegungsaktivität ließe sich bei manchen Patienten nicht von heute auf morgen umsetzen. Hilfreich seien bereits Hinweise, alle zu sich genommenen Speisen 10-mal zu Kauen und die Patienten zu ermutigen, dass auch Kauen, neben täglichem Spazierengehen, schon der erste Schritt zu vermehrter Bewegung sei.

Aus diesen „Praxistipps“ habe ich für mich mitgenommen, dass die Behandlung des Diabetes eine langwierige Aufgabe ist, die die psychologische Unterstützung von ärztlicher und ernährungsberatender Seite mit einbeziehen muss, um erfolgreich zu sein. Außerdem scheint die Ermutigung der Patienten und die Formulierung erreichbarer Ziele, die Compliance zu erhöhen.

Helge Presse

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