Prävention – Vorbeugen ist besser als Heilen!

Wer kennt es nicht? Man steht im Supermarkt an der Kasse und trotz allem Vorsatz, aller Toleranz und Anerkennung auch der eigenen Schwächen:

Man guckt in andere Einkaufskörbe, was landet bei wem auf dem Band?

Und ob sich da nicht ein Zusammenhang finden lässt? Ich persönlich muss zugeben, dass ich bereits den einen oder anderen Mitbürger(in) auf besonders gesunde Konstellationen an der Kasse angesprochen habe. Und das, gerade wenn man selbst dann eben doch für die WG-Party einkauft… Hingegen viel häufiger ist traurigerweise das Beispiel der „Energy- und Chips-Kinder“. Aber auch wir mehr oder minder Erwachsenen verhalten uns in dieser Hinsicht teilweise verdammt furchtbar unserem eigenen Körper gegenüber. Und ich frage mich in diesen Momenten:

Vergisst man all die Schulbildung mit Ernährungspyramiden, die elterlichen Vorträge und jede Vernunft, wenn vor dem Regal dann die Lust kommt? Wäre hier nicht einmal angebracht, den Verbraucher kurz zu warnen: Kauf es, aber es ist eine Droge, es macht dich krank.

Was geschieht also im Sinne der Prävention? Warum gefühlt nichts Effektives? Wo ist diese Ampel, von der alle sprechen?

Hier kam mir der Vortrag von Frau Bitzer gerade recht. Er erzählt vom langen Kampf mit der Lebensmittel-Lobby und wie man vielleicht doch selbst die schnittigste Politikerin dazu bringen kann, dass sie das vermeintlich Richtige tut: Man lässt ihr nur den einen Ausweg, sich nicht komplett zu blamieren.

Die Geschichte geht in etwa so: Bereits im Koalitionsvertrag unserer aktuellen Regierung ist festgelegt, dass es eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln geben soll. So, dass jeder auf Anhieb kapiert: Gesund oder „meeeeh“. Dafür gabs einen nachweislich guten und eben leicht verständlichen Weg: den Nutri-Score. Vorher erwähnte Ampel. Nun kann man sich vorstellen, was die Bosse unserer Lebensmittel-Industrie davon halten – nicht viel. Dementsprechend mag auch unsere Ernährungsministerin das gar nicht. Sie lässt also eine eigene Version der Lebensmittel-Kennzeichnung entwickeln, den „Wegweiser Ernährung“, bei dessen Erklärung selbst die sicher gut vorbereitete Vortragende ins Stottern gerät. Dieser sei mindestens genausogut, soll eine Umfrage klären. Hier kommt der heroische Einsatz der „DANK“, der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten, deren Mitglied auch die DDG ist – sie entwickeln eine eigene Umfrage, in der die beiden Label verglichen werden. Heraus kommt, dass der nachweislich in Deutschland wirksame Nutri-Score von den Verbrauchern als wesentlich intuitiver verständlich und insgesamt besser eingestuft wird. Damit ging die DANK dann noch vor der Umfrage der Bundesregierung an die Presse und die hat zum Glück mal das Potential dieser unblutigen Geschichte erkannt und das „Klöckner-Vorgehen als unsinnig entlarvt“. Dem darauffolgenden Druck der Öffentlichkeit musste sich unsere Spitzenpolitikerin an der Ernährungsfront dann beugen und ist nun plötzlich völlig überzeugt vom Nutri-Score. Na welch ein Glück.

Neben all den tollen fachlichen Vorträgen auf der ersten DDG Herbsttagung, der ich beiwohnen durfte, hat mir dieser dann doch etwas Mut eingehaucht. Denn bei den kaum mitanzusehenden Trends der Adipositas- und Diabetes- Zahlen drängt sich zumindest mir doch oft die Frage auf:

Toll, diese ganzen neuen (teuren) Behandlungsmöglichkeiten, aber wollen wir nicht mehr dafür tun, sie gar nicht erst zu brauchen?

So setzt sich die DANK und damit auch die DDG für ein Verbot von spezifisch an Kinder gerichteter Lebensmittel-Werbung ein. Genau diese vulnerable Gruppe verzeichnet ja laut aktuellen Studien die deutlichsten Negativrekorde. Die Steuern für nachweislich ungesunde Produkte sollen erhöht werden, jene für gesunde hingegen gesenkt. Tolle Forderungen, denen sicher niemand mit ein wenig Vernunft im Köpfchen und nicht allzu vielen Aktien im Spiel entgegen stehen sollte. Oder? Ich für meinen Teil hoffe auf weitere politische Erfolge.

Friedrich Kadgien

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