Prädiabetes mit Darmbakterien behandeln?

Unsere Ernährung spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Adipositas und Typ-2-Diabetes als mögliche Folgeerkrankung. Beide Erkrankungen gehen mit einer chronischen, niedrigschwelligen Entzündung einher. Doch welchen Einfluss haben unsere Darmbakterien auf diesen pathologischen Prozess?

Diese interessante Frage adressierte Prof Dr. Laudes vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in seinem Vortrag „Microbiota als Determinanten von Inflammation und kardiometabolischem Risiko“ und berichtete von seinen eindrucksvollen Studienergebnissen.

Der Hypothalamus steuert unser Appetit- und Sättigungsgefühl. Prof. Dr. Laudes und seine Kollegen beobachteten, dass adipöse Menschen eine Entzündungsreaktion im Hypothalamus aufweisen, welche die Dysregulation des Appetit- und Sättigungsgefühls vermutlich vorantreibt. Interessanterweise konnten sie in ihrer Studie zeigen, dass eine fettreiche Ernährung zu einer reduzierten Besiedlung des Bakterienstammes Parasutterella sp. im Darm führt.  Zudem war der Bakterienstamm Parasutterella sp. in übergewichtigen Patienten signifikant unterrepräsentiert. So stelle Parasutterella sp. ein potenziell schützendes Darmbakterium dar (Kreutzer et al., Diabetes, 2017).

Weitere Studienergebnisse lassen vermuten, dass die hypothalamische Entzündung eine Folge und nicht die Ursache des veränderten Mikrobioms sei. Prof. Dr. Laudes Studienergebnisse legen nahe, dass das veränderte Darmmikrobiom infolgedessen zu einer niedrigschwelligen, systemischen Inflammation führt, welche zusammen mit genetischen Dispositionen zu der hypothalamischen Entzündung beiträgt.

Ich war beeindruckt, welch eine große Rolle unser Darmmikrobiom bei der Entstehung von metabolischen Erkrankungen spielt. So sind Darmbakterien aktiv an der Umsetzung von  Stoffwechselprozessen beteiligt, die bei einem  Ungleichgewicht des Mikrobioms schwerwiegende, systemische Effekte hervorrufen können, erläuterte Prof. Dr. Laudes.

Obgleich eine Mikrobiomtherapie aufgrund von eher geringen Effekten bei der Prädiabetes anzusetzen sei, liefert die Mikrobiomforschung vielversprechende Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes.

Caroline Fabian

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