PCOS – von der Diabetologie zur Gynäkologie

Eine der vielfältigen Verbindungen der Diabetologie zu anderen Fachbereichen zeigte sich im Vortrag von S. Tan aus Essen „Update zum PCO-Syndrom“.

Die Relevanz des Themas wurde deutlich, als die Referentin die Prävalenz auf 15 Prozent aller Frauen bezifferte, die von diesem – zumindest unter den meisten Studenten, um aus meiner Perspektive zu sprechen –  nicht besonders geläufigen Krankheitsbild betroffen sind.

Deutlich mehr Betroffene also, als ich erwartet hatte. Dass die Präsenz der Krankheit verhältnismäßig gering ist, liegt vermutlich auch am sich vielfältig präsentierenden, schwierig zu diagnostizierenden klinischen Bild.

Je nachdem, welche zwei der drei Kriterien chronische Anovulation, polyzystische Ovarien und Hyperandrogenämie sich bei einer Patientin kombinieren, resultiert ein unterschiedliches Krankheitsbild. Die Verbindung zur Diabetologie liegt in der Insulinresistenz, die als Ursache des PCOS vermutet wird.

Im Interesse der klinischen Forschung liegt nun die Identifikation von PCOS als Risikofaktor für assoziierte Folgeerkrankungen. So verdoppelt PCOS das Risiko für einen Gestationsdiabetes; das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 steigt sogar auf das Neunfache. Diese erhöhten Risikofaktoren sind dabei, anders als in der Diabetologie geläufig, jeweils unabhängig vom BMI!

Vom PCOS sind häufig junge, normalgewichtige Frauen betroffen; es gilt, diese Patientinnen mit hohem Diabetes-Risiko – denn 40 Prozent der Patientinnen mit PCOS entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Diabetes mellitus 2 – frühzeitig zu erkennen und dann zu behandeln. Hierfür empfahl die Referentin bei diesen Patientinnen einen alle ein bis zwei Jahre durchgeführten oGTT.

Um einen manifesten Diabetes mellitus Typ 2 bei PCOS-Patientinnen verhindern zu können, liegt der Focus auf einer Schärfung der Wahrnehmung für PCOS. Diagnostizierten Patientinnen sollten sofort, unabhängig vom äußerlichen Habitus, Maßnahmen der Sekundärprävention von Diabetes zugeführt werden.

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