Inzidenz des Diabetes mellitus Typ 1 im Corona-Jahr 2020

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Manifestation des Typ-1-Diabetes und Corona? Im Vergleich zu den Jahren 2018 und 2019 nahm im vergangenen Jahr die Rate an Ketoazidosen deutlich zu. Insbesondere Kinder unter sechs Jahren waren betroffen.
Geografische Unterschiede bei der Pandemie korrelierten mit der Zahl der Ketoazidosen. In der ersten Corona-Welle waren der Süden und der Westen Deutschlands schwerer betroffen. Es zeigte sich in diesen Regionen eine höhere Ketoazidose-Rate als in Regionen mit weniger COVID-19-Fällen.

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„Auf Herz und Niere prüfen…“

…ist eine wohlbekannte und im allgemeinen Sprachgebrauch etablierte Redewendung. Ob dem Erfinder dieser Floskel die enge Beziehung dieser beiden Organe bekannt war, ist jedoch fraglich.

Dass der Diabetes mellitus mit seinen mikro- und makrovaskulären Komplikationen Herz und Niere (be)trifft, ist Grund genug, eine Sitzung im Rahmen der diesjährigen Herbsttagung dem Thema „Diabetes, fortgeschrittene Niereninsuffizienz und kardiovaskuläre Erkrankungen“ zu widmen. Professor Dr. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistischen Intensivmedizin der Uniklinik Aachen, brachte mit seinem hochinteressanten Vortrag „Kardiale Erkrankungen bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz – was ist anders in der Therapie?“ diese Sitzung zu einem gelungenen Ende.

Einleitend wurde die Relevanz kardiovaskulärer Erkrankungen bei nierenkranken Menschen hervorgehoben. Die kardiovaskuläre Mortalität nehme bei abnehmender glomerulärer Filtrationsrate um ein Vielfaches zu. Dass Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) und CKD mit zunehmenden CKD-Stadien eine deutlich reduzierte Prognose haben, macht es umso relevanter, sich gezielter mit dem gemeinsamen Auftreten dieser Erkrankungen zu befassen. Mit der Novellierung der ESC HFrEF Guidelines in diesem Jahr kommen ausreichend Fragen auf, mit der sich die „Nephrokardiologie“ beschäftigen kann. Allem voran geht jedoch ein großes Problem: In den meisten großen klinischen Herzinsuffizienz-Studien wurden Betroffene mit schwerwiegender CKD von Vornherein ausgeschlossen. Um dies zu visualisieren, führt Professor Marx das Auditorium durch das neue Schema der ESC HFrEF Leitlinie. Sowohl für ACE-Hemmer/Angiotensin-Rezeptorblocker als auch für Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren und Beta-Blocker gibt es im CKD Stadium 4-5 keine hinreichende Evidenz. Aldosteronantagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon sind sogar kontraindiziert. Einzig die SGLT2 Inhibitoren, die nach den erstklassigen Sicherheits- und Outcomestudien der letzten Jahre Eingang in die Herzinsuffizienzleitlinien finden konnten, liefern gute Evidenz für eine Nutzung bis zu einer eGFR von 20 ml/min/1,73m2.

Weitere hochprävalente kardiovaskuläre Erkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit CKD sind das Vorhofflimmern und die Aortenklappenstenose. Im höheren Alter ist ca. jeder 4. Dialysepatient von Vorhofflimmern betroffen. Die Dysregulation des Organismus und die bei der Dialyse stattfindende temporäre Antikoagulation machen eine Risikoabschätzung im Rahmen einer therapeutischen Antikoagulation jedoch hoch komplex. Initial ist eine Berechnung der CHA2DS2-VASc und HASBLED Scores sicher hilfreich. Etabliert bei CKD-Patienten sind diese Scores jedoch nicht. Dem erhöhten Blutungsrisiko bei Dialyse-Patienten tragen diese Scores ebenfalls keine Rechnung. Dazu kommt außerdem, dass die orale Antikoagulation mittels Vitamin-K-Antagonisten (VKA) zusätzliche Risiken bei CKD-Patienten birgt. Kardiale Verkalkung von Klappen und Koronarien ebenso wie die sogenannte Calciphylaxie, auch bekannt als kalzifizierende urämische Angiopathie, werden vermehrt bei den Betroffenen beobachtet. Entsprechend ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis überaus unklar und erfordert eine sorgfältige individuelle Abwägung.

Zuletzt berichtet Professor Marx über die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) bei Erkrankten mit Aortenklappenstenose. Patientinnen und Patienten, die sich aufgrund einer erhöhten Risikosituation keinem offenen Aortenklappenersatz unterziehen können, haben jedoch auch nach einer TAVI Prozedur bei vorab bestehender und zunehmender CKD eine reduzierte Prognose. Die Mortalität erhöht sich deutlich, wenn neben einer Notwendigkeit zur Dialyse auch ein Vorhofflimmern besteht. Eine individuelle Risikoabschätzung ist deshalb unabdingbar.

Abschließend fasst Professor Marx die Key-Facts seines Vortrages zusammen: CKD Patienten sind eine kardiovaskuläre Hochrisiko-Population und insbesondere die Behandlung dialysepflichtiger Patientinnen und Patienten erfordert eine intensive und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

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Pressekonferenz: Spannende Themen der DDG Herbsttagung

Das Programm der Diabetes Herbsttagung bietet nicht nur Vorträge für Ärztinnen und Ärzte, Mitglieder des diabetologischen Behandlungsteams und Forschende, die DDG und DAG nutzen diese Gelegenheit auch, um wichtige Themen rund um die Behandlung von Diabetes und Adipositas mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Copyright: DDG/Henning Schacht

Die Pressekonferenz der Herbsttagung am Freitag thematisierte spannende und zukunftsweisende Schwerpunkte der diesjährigen Tagung: Wie hat die Corona-Pandemie die Versorgung von Diabeteserkrankten verändert? Inwieweit wird sich der Klimawandel auf die Lebensrealität von Diabetespatientinnen und -patienten auswirken und findet die psychosoziale Behandlung von Betroffenen zu wenig Beachtung in der Therapie von Diabetes und Adipositas? 

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Diabetologischer Nachwuchs bloggt wieder

Auch in diesem Jahr vergibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wieder Stipendien an den Nachwuchs aus der Diabetologie. Für ein Stipendium konnten sich alle medizinischen Berufsgruppen aus der Medizin, der Psychologie und der Pharmazie mit dem Schwerpunkt Diabetologie bewerben. 

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben nicht nur Zugang zu allen Veranstaltungen der DDG Herbsttagung, sondern werden auch von den Mitgliedern der AG Nachwuchs begleitet. Diese sind Anlaufstelle für Fragen und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Die Teilnahmekosten sowie eine Reisekostenpauschale erstattet die DDG in Kooperation mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG). 

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Diabetes Herbsttagungen 2021 erstmals als Hybrid-Veranstaltung

Endlich wieder treffen! Heute starten die Herbsttagungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erstmals wieder vor Ort. Besucherinnen und Besucher haben in diesem Jahr die Möglichkeit im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden oder online an der diesjährigen Tagung teilzunehmen. Es werden mehr als 3500 Ärztinnen und Ärzte, Mitglieder des Diabetes Behandlungsteams und Forschende erwartet, die sich sowohl virtuell als auch live und in Farbe weiterbilden und austauschen können.

Unter dem Motto „Diabetes und Adipositas – gemeinsam durch dick und dünn“ veranstaltet die DDG zusammen mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) spannende Workshops, Praxisdialoge, interdisziplinäre Symposien und gesundheitspolitische Podiumsdiskussionen. 

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Erhöhtes Diabetesrisiko bei Kindern richtig erkennen – Autoantikörper als diagnostische Screeningparameter bei Diabetes mellitus Typ 1

Dieses Jahr konnte ich als Stipendiatin zum ersten Mal beim Diabetes Kongress mit viel Freude und Interesse teilnehmen, nachdem ich bereits vor zwei Jahren über den Ersten Aachener Diabetestag der AG Nachwuchs auf die DDG und den Kongress aufmerksam geworden bin.

Besonders interessant fand ich die verschiedenen Vorträge zum Thema Typ-1-Diabetes. Der Vortrag von Peter Achenbach zum Thema „Risikomarker und Ansätze für Interventionsstudien“ erläuterte dabei nochmal ganz besonders das Zusammenspiel von genetischen, metabolischen und autoimmunen Faktoren, die bei der Pathogenese des Typ-1-Diabetes eine Rolle spielen und hob die Möglichkeit, diese als diagnostische Screeningmarker zu nutzen, hervor. Auf diese Weise könnte man das individuelle Risikoprofil für die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes leicht untersuchen und durch neue Therapieansätze, wie Immuntherapien oder orale Insulintherapie, frühzeitig in den Krankheitsprogress eingreifen. Somit könnte man die Anzahl der bedrohlichen Ketoazidosen bei klinischer Erstmanifestation reduzieren. Die zentrale Bedeutung für die Frühdiagnostik, v.a. des IA-2-Autoantikörpers, war mir, wenn auch im PJ in der Kinderklinik mehrfach bestimmt, vorher nicht derart bewusst.

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SGLT-2 Hemmer bei Typ-1-Diabetes – Eine Diskussion über das Pro und Contra

Der Zusatznutzen von SGLT-2 Hemmern beim Typ-2-Diabetes ist bekannt, gilt dies jedoch auch bei der Therapie des Typ-1-Diabetes? Unter anderem widmete sich dieser Frage das Symposium „Praxisrelevante aktuelle Themen zur Therapie des Diabetes“.

Zunächst wurden von Herrn Professor Danne die vielfältigen positiven Einflüsse der SGLT-2-Hemmer auf den Krankheitsverlauf von Menschen mit Typ-1 Diabetes aufgezeigt. Neben den viel diskutierten Mikroangiopathien möchte er ein stärkeres Augenmerk auf ein geringeres Risiko für Makroangiopathien richten, welche letzendlich tödlich sein können. So führt Dapagliflozin nicht nur zu einer merklichen Steigerung der Lebensqualität der Patienten, sondern auch zur Senkung des kardiovaskulären Risikos. Weiterhin führt Dapagliflozin u.a. zu einer Senkung des Übergewichts, der Glucosevariabilität und des HbA1c-Wertes ohne dabei zu erhöhten Hypoglykämieraten zu führen. Jedoch lässt Professor Danne nicht außer Acht, dass auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten könen, wie eine Erhöhung des Risikos einer diabetischen Ketoazidose.

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Stoffwechselkontrolle bei Peritonealdialyse-Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus

Beim Diabetes mellitus handelt es sich um die häufigste Ursache einer terminalen Niereninsuffizienz in den Industrienationen der vergangenen zehn Jahren. In Ihrem Vortrag „Diabetestherapie bei eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysebehandlung“ erläutert PD Dr. Martina Guthoff Besonderheiten in der Stoffwechselkontrolle von Peritonealdialyse-Patientinnen und Patienten.

Die terminale Niereninsuffizienz stellt durch die reduzierte renale Gluconeogenese und die erhöhte Insulinresistenz aufgrund von Urämie, Anämie, Azidose und chronischer Inflammation eine Herausforderung in der Glukosekontrolle dar. Der HbA1c-Wert ist aufgrund von Anämie und Urämie falsch niedrig, so dass die Aussagekraft als Therapiemarker eingeschränkt ist. Generell werden bei terminaler Niereninsuffizienz nach KDIGO und DDG höhere HbA1c-Werte u.a. aufgrund des erhöhten Hypoglykämie-Risikos bei reduzierter Insulin-Clearance angestrebt. Eine Alternative zum Monitoring der Stoffwechselkontrolle stellen CGM/FGM-Technologien dar, die formal nicht bei Dialyse-Patienten zugelassen sind und die schnellen Blutglukose-Änderungen in diesem Patientenkollektiv nicht immer gerecht werden können.

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Auf dem Sofa, aber mittendrin

Der erste vollständig digitale Diabetes-Kongress bot die seltene Gelegenheit, ernsthaft über das nachzudenken, was Sie an klassischen – analogen – Kongressen schon immer störte. Für manche waren es die schmerzenden Füße nach einem langen Tag zwischen Kongressräumen und Ausstellungen auf totschicken, aber unbequemen Schuhen. Für andere der Kaffee an der Hotelbar, der noch nicht an die hauseigene Kaffeemaschine heranreichte. Und anderen schmerze der Rücken nach der zweiten Nacht auf viel zu weichen Hotelmatratzen – von der viel befahrenen Kreuzung hinter unzureichend isolierenden Fenstern ganz zu schweigen.

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Diabetes, Ernährung und Kultur: Wo besteht der Zusammenhang?

Bei dem diesjährigen Diabetes Kongress konnte ich mehrere Einblicke gewinnen, wie ausschlaggebend die Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus ist. 

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Vortrag „Aspekte der Ernährungstherapie in anderen Sprach- und Kulturräumen“ von Frau Faize Berger.

Es wird klar, dass in bestimmten Bevölkerungsgruppen eine höhere Prävalenz besteht, an Diabetes mellitus zu erkranken. Bezüglich der Ernährungsempfehlungen bei unterschiedlichen Kulturen spielen beispielsweise die auseinandergehenden Vorstellungen der Portionsmustern, Essenzubereitungen, Essengewohnheiten und die Wahl der Lebensmittel eine große Rolle. Eine kultursensible Ernährungsberatung kann bei der Ernährungsempfehlung eine gute Hilfe sein und sollte wenn möglich in Betracht gezogen werden. Aber auch bestimmte Zubereitungstechniken haben zum Beispiel gemischte Einflüsse auf Diabetes mellitus. (Vortrag Faize Berger) 

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