Neue Klassifizierungen des Typ-2-Diabetes und Prädiabetes – Der schnelle Weg in die Klinik?

Dass Typ-2-Diabetes, der frühere „Altersdiabetes“, nicht so simpel ist, wie am Anfang gedacht, ist sicherlich längst bekannt. Warum bekommen einige Menschen Diabetes und andere nicht, auch wenn sie augenscheinlich die gleichen Voraussetzungen haben? Diese Frage ist bisher ungeklärt und beschäftigt sowohl Wissenschaftler, als auch Ärzte. Durch neue technische Möglichkeiten ist bereits bekannt, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Zusätzlich wurden kürzlich weitere Faktoren festgestellt, die in Kombination eine Rolle bei der Manifestation und dem Fortschreiten des Typ-2-Diabetes und seiner Begleiterkrankungen spielen können. So ermöglichen u.A. das Alter bei Diagnose des Diabetes und eine Schätzung der Insulinkapazität der Bauchspeicheldrüse nach Ahlqvist et al. [1] eine Klassifizierung in 5 Cluster des Typ-2-Diabetes. Diese Cluster erlauben nicht nur eine genauere Klassifizierung, sondern zeigen auch eine Tendenz bestimmter Typen zur Anfälligkeit für Nebenerkrankungen wie diabetische Nephropathie oder Retinopathie1.  

Julia Szendrödi präsentierte auf dem Diabetes Kongress die Übertragung des Clusterings auf eine deutsche Kohorte, in der die Typen und die Tendenzen zu den Nebenerkrankungen ebenfalls gezeigt werden konnten. Dass sich solch ein Clustering mit modifizierten Faktoren auch auf den Prädiabetes übertragen lässt und eine Vorhersage über das Risiko der Entwicklung einen manifesten Diabetes erlaubt, konnten Tübinger Forscher (Robert Wagner, Andreas Fritsche) zeigen.

Die schnelle Verbreitung der neuen Cluster und die Geschwindigkeit, mit der an einer Übertragbarkeit mittels klassischer Diagnoseparameter in die Klinik gearbeitet wird (z.B. mittels einer App), zeigt das große Interesse an dem Clustering. Die häufigste Frage zu den neu entwickelten Clustern blieb aber: „Wie ordne ich meine Patienten anhand der mir normalweise zur Verfügung stehenden Parameter zu?“.

Eine Bewährung des Systems im klinischen Alltag bleibt abzuwarten, aber der Beantwortung der Frage „Warum bekommt Herr Meier Diabetes und Herr Müller nicht?“ wird damit sicherlich ein Stück nähergekommen.

Caren Linnemann

Literatur
[1] Ahlqvist E, Storm P, Käräjämäki A et al. Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6:361-369

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