Neue Antidiabetika: Aus Alt mach Neu

Erst vor kurzem wieder populär geworden durch die Serie „Game of Thrones“ bekommt der Mohn wieder volle Aufmerksamkeit. Auch im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lammert beim Diabetes Kongress 2019 in Berlin rückt der berühmte Mohnblumensaft wieder in den Vordergrund.

Damals bekannt als Mohnblumensaft (Milk of the poppy) wurden die darin enthaltenen Morphine bereits in der Jungsteinzeit als Schlafmittel eingesetzt und auch um Schmerzen zu lindern. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Arzneistoff auch für viele weitere Anwendungsgebiete bewährt, wie Bluthochdruck oder als Zusatz in Hustensäften. Ebenfalls in Hustensäften zu finden ist heutzutage Dextromethorphan, ein synthetisch hergestelltes Morphin, das weniger eine Affinität zu Opioid-Rezeptoren besitzt als für NMDA-Rezeptoren. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Lammert herausgefunden, dass Dextromethorphan auch den Blutzuckerspiegel senkt. Sowohl bei Mäusen, als auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) konnte nach Verabreichung des Wirkstoffs eine erhöhte Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden. Somit konnte in Langzeitstudien der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Glukosetoleranz verbessert werden. Weiterhin soll dieser Arzneistoff den Zelltod der Betazellen vorbeugen und somit wie ein Schutzschild wirken.

Mit einer Reise in die Vergangenheit berichtete der Professor von seinen neuesten Erkenntnissen und sieht in Dextromethorphan einen potenziellen Wirkstoff für die zukünftige Behandlung von T2D. Es war ein Vergnügen diesen interessanten Vortrag anzuhören und wer ihn verpasst hat kann die wichtigsten Infos in seinem Paper des Nature Magazins nachlesen.

Literatur
Marquard, J, Otter, S, Welters, A et al. Characterization of pancreatic NMDA receptors as possible drug targets for diabetes treatment. Nature Medicine 2015; vol. 21, 363–372. doi: 10.1038/nm.3822
Welters, A, Klüppel, C, Mrugala, J et al. NMDAR antagonists for the treatment of diabetes mellitus—Current status and future directions. Diabetes Obes Metab. 2017;19:95–106. doi: 10.1111/dom.13017

Sarah Görigk

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