Neue Ansätze bei der Forschung nach Ursachen für Diabetesfolgeerkrankungen

Von Anna Bredenbröker

Interessante Anregungen brachte der Vortrag zu neuen Mechanismen bei Diabetesfolgeerkrankungen, bei dem P. P. Nawroth aus Heidelberg und E. Schleicher aus Tübingen den Vorsitz hatten. Denn neue Ansätze zur Therapie von Diabetes müssen her, da selbst eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck der Entstehung von diabetesassoziierten Folgeerkrankungen nicht komplett vorbeugen können.

Herr Nawroth stellte zunächst klar, dass laut der PCTT Studie bei Typ-1-Diabetes sogar nur 11 Prozent der diabetesbedingten Komplikationen auf den HbA1c und die Dauer der Erkrankung zurückzuführen sind. Selbst eine konsequente Blutzuckersenkung und eine gute Blutdruckeinstellung führen also oftmals trotzdem nur zu begrenzten Erfolgserlebnissen. Ein signifikanter Progress im Verhindern von Folgeerkrankungen besteht nicht, obwohl ja gerade dies der Punkt ist, für dessen Erreichen viele Diabetiker hart arbeiten.

Die neuen Ansätze der Forschung bestehen darin, Metabolite und Enzyme des zellulären Stoffwechsels zu untersuchen, welche eine Rolle in der Entwicklung von Folgeerkrankungen spielen dürften. Laut Herr Nawroth sind jeweils unterschiedliche Metabolite und Enzyme auch für unterschiedliche Folgeerkrankungen verantwortlich, ebenso sind Defekte an Enzymen von Patient zu Patient unterschiedlich ausgeprägt. Die Lösung? Targetbasierte Therapien! Einige Enzyme und Metabolite, die bei der Regulation von Glukose und Fettstoffwechsel eine Rolle spielen und als Ziel für eine Therapie in Frage kommen, sind schon ausgemacht. Wir dürfen also gespannt sein.

Moment, die targetbasierte Therapie kennen wir doch schon von irgendwo? Richtig, aus der Krebsforschung. Mit diesem Thema beschäftigte sich Herr Herzig aus Heidelberg.

Er betonte, dass Krebs ebenso zu den diabetesassoziierten Folgeerkrankungen gezählt werden sollte, denn metabolische Dysfunktion und die Entwicklung von Tumorerkrankungen hängen nachweislich zusammen. Dieses Thema ist ein besonders interessantes, da Krebs in den Augen vieler Menschen eine beängstigende Bedrohung darstellt. Trotzdem wissen viele noch nicht, dass  Übergewicht genauso wie das Rauchen das Krebsrisiko erhöht. Möglicherweise, so Herzig, hat es das Rauchen als größten Risikofaktor bei der Entstehung von Tumoren schon abgelöst. Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass das Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen bei Patienten mit metabolischen Syndrom erhöht ist. Herr Herzig zeigte am Beispiel vom hepatozellulären Karzinom, dass die Fettleber ein höheres Risiko für das HCC birgt, als die gefürchteten viralen Hepatitiden. Positives gab es allerdings auch zu berichten: In Studien hat sich gezeigt, dass orale Antidiabetika (in diesem Falle Metformin) das Krebsrisiko wieder senken können.

Ein Grund mehr, um die Forschung, die in diesem Gebiet noch in den Startlöchern steckt, weiter voranzubringen und mit Interesse zu beobachten.

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