Mythen in der Diabetologie – viel Potenzial für Diskussionen

Von Corinna Sailer

Am Freitagnachmittag wurden im Saal „Langerhans“ Mythen der Diabetologie kritisch beleuchtet. Und so verwundert es nicht, dass diese Sitzung viel Stoff für Diskussionen bot. Alle Vorträge regten dazu an Paradigmen kritisch zu hinterfragen und für neue Ideen offen zu sein.

Professor Peter Paul Nawroth aus Heidelberg wies darauf hin, dass die gute Arbeit im Bereich der Diabetologie leider immer noch von einer hohen Morbidität und Mortalität begleitet wird. Als Ursache diskutierte er die Tatsache, dass ein zu großer Fokus auf der Senkung des Blutzuckers liegt und anderen Faktoren zu wenig Beachtung geschenkt wird. Denn nur 11 Prozent der diabetischen Spätfolgen können durch einen zu hohen HbA1c erklärt werden. Es gibt sogar Studien die zeigen konnten, dass vor allem eine rasche Senkung des HbA1c neurologische Komplikationen bedingt. Diese Darstellung der Datenlage führte jedoch zu einer spontanen Gegenargumentation durch Professor Hellmut Mehnert, der die Blutglukose als „Schädling“ bezeichnete.

Einigkeit herrschte zuletzt nur in einem Punkt: Eine wichtige Waffe in der Bekämpfung des Diabetes und seiner Komplikationen ist eine individualisierte Therapie, die nicht nur die Hyperglykämie sondern auch die Dyslipoproteinämie und die Hypertonie ausreichend behandelt.

Herr Häring widersprach anschließend der These: „Lebenstiländerung hilft immer!“ Denn Daten aus der Tübinger TUEFF-Studie zeigten eindeutig, dass ca. ein Drittel des Kollektivs zur Gruppe der sogenannten Non-Responder gehört. Diese können zwar ihren BMI durch Einhalten der Vorgaben einer Lebensstilintervention verbessern, reagieren jedoch nicht mit einer Verbesserung metabolischer Parameter. In Tübingen konnten dazu in den letzten Jahren verschieden phänotypsiche Merkmale identifiziert werden, welche diese „Non-Response“ definieren.  Dazu gehören neben einer geringen „Physical Fitness“, sogenannte „Exercise Non-Responder“ und Personen mit einer zerebralen Insulinresistenz sowie vor allem Personen mit einer Fettleber. Er zeigte auf, wie wichtig es ist solche Non-Responder zu identifizieren, da diese unsere besondere Aufmerksamkeit benötigen. Er hofft, dass das Kollektiv der aktuellen, multizentrischen PLIS-Studie helfen kann, weitere Fragen zu beantworten.

Ein Gedanke zu “Mythen in der Diabetologie – viel Potenzial für Diskussionen

  1. Das ist ein sehr wichtiger, wertvoller Artikel für die praktische Diabetes-Behandlung. Entscheidend ist zudem, dass der behandelnde Diabetologe seine Patienten umfassend aufklärt und mit den „Mythen des Alltags“ aufräumt.

    Nur wenn der Patient genau weiß, was seine Diabetes-Erkrankung für ihn bedeutet und wie er damit umgehen muss, kann er sich auf die neue Situation einstellen. Es wird zurecht herausgestellt, dass eine „wichtige Waffe in der Bekämpfung des Diabetes und seiner Komplikationen ist eine individualisierte Therapie“ sei. Diese müssen wir dem Patienten genau erläutern und zugänglich machen.

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