,,Morgens reicht mir mein Kaffee‘‘ – Warum wir doch Frühstücken sollten!

Bei der Frage, wann man essen sollte und welche Form des Fastens denn jetzt die richtige ist, gibt es bestimmt genauso viele Meinungen wie es Methoden gibt. Etwas Licht ins Dunkel brachte Professorin Anja Bosy-Westphal von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In ihrem Vortrag „Intervallfasten“ im Rahmen der Sitzung „Ernährung und Bewegung bei Adipositas“ bei der Diabetes Herbsttagung 2021, die gemeinsam mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft ausgerichtet wurde, berichtete sie über den Zusammenhang vom Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und den Auswirkungen auf Körpergewicht, kardiometabolisches Risiko sowie Zucker- und Fettstoffwechsel.

Bei der Betrachtung des intermittierenden Fastens mit Ziel einer Restriktion auf 500 kcal an zwei Tagen in der Woche im Vergleich zu einer täglichen Reduktion der Kalorien um 20%, war letztendlich kein wesentlicher Unterschied bei der Gewichtsabnahme, der Körperzusammensetzung und dem kardiometabolischen Risiko erkennbar. Zudem fanden sich nach einem Jahr keine Unterschiede im Gewichtserhalt. Ähnliche Ergebnisse ließen sich auch beim alternate-day-fasting beobachten, bei welchem an jedem zweiten Tag die Kalorien auf 500 kcal reduziert werden. Bei beiden Methoden äußerten die Probanden und Probandinnen jedoch ein höheres subjektives Hungergefühl im Vergleich zur täglichen Kalorienreduktion um 20%. Die Folge war eine höhere Dropout-Rate.

Als weitere Methode wurde das Fasten innerhalb eines Tages betrachtet. Ziel nach drei Monaten war die gesamte Nahrungsaufnahme innerhalb von 6 Stunden. Verglichen wurde dies mit der Aufnahme von drei Mahlzeiten über den Tag verteilt. Zuvor zeigten Ergebnisse bereits, dass auch eine höhere Mahlzeitenfrequenz zu einer Gewichtszunahme führte. Bei dem Vergleich zeigten die Ergebnisse, dass die Personen mit der größten Kalorienzufuhr am Morgen bei der Gewichtsentwicklung deutlich besser dastanden, als Personen, die ihre größte Mahlzeit am Abend verspeisten. Diese Personen nahmen am meisten zu. Wurde eine Mahlzeit ausgelassen, geschah dies auf Kosten des Glukosestoffwechsels. Das Fasten führte zu einer Störung der Glukosetoleranz nach dem Fastenbrechen und somit zu einer höhere Insulinresistenz. Es führte zudem zu metabolischer Inflexibilität.

Eine besonders bittere Pille gab es noch für die Fraktion: ,,Morgens reicht mir mein Kaffee‘‘, zu schlucken. Das Auslassen des Frühstücks erhöht das Diabetesrisiko um bis zu 21%. Aber auch hier ein Lichtblick: Bei besonders gesunden Ernährungsmustern blieb diese Steigerung aus. Über gesunde Ernährung könnte man jetzt natürlich auch streiten und den nächsten Beitrag schreiben.

Bei Patientinnen und Patienten ein Faktor, dem man als behandelnde Person einen höheren Stellenwert geben sollte. Für mich persönlich, als Studentin der medizinischen Ernährungswissenschaften und selbst Typ-I-Betroffene, bedeutet dies in jeden Fall in Zukunft ein früheres Aufstehen (Fraktion Kaffee). Ein spannendes Feld, in dem wir noch auf Langzeitdaten gespannt sein können und auf Ergebnisse, die Professorin Bosy-Westphal sehr anschaulich darstellen konnte.

Jasmin von Zezschwitz

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