Mit ‚dick und dünn‘ auch durch (hormonelle) Hochs und Tiefs

Interdisziplinarität wird in der Diabetologie großgeschrieben – demnach passend referierte in der Sitzung ‚Hormone und Diabetestherapie‘ die Endokrinologin und Diabetologin Professor Petra-Maria Schumm-Draeger aus München zum Thema Hyper- und Hypothyreose. Einleitend stellte sie anhand großer epidemiologischer Studien dar, dass Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, weit über den Bevölkerungsdurchschnitt hinaus, auch an den ohnehin schon häufigen Schilddrüsenüber-/ und-unterfunktionen leiden.

Anhand aktueller Daten zeigte sie auf, worin die limitierenden Faktoren liegen, um Schilddrüsenfunktionsstörungen bei Diabetes mellitus korrekt und frühzeitig diagnostizieren zu können. Eine diabetesspezifische Klinik kann nicht nur die Symptome von Schilddrüsenfunktionsstörungen maskieren, es gibt u.a. auch Effekte von oralen Antidiabetika auf den Serum-TSH-Spiegel: Metformin beispielsweise kann niedrigere TSH Spiegel induzieren, Sulfonylharnstoffe der ersten Generation haben (hatten!) zum Teil sogar strumigene Effekte.

Anhand von Fallbeispielen legte sie anschaulich dar, dass selbst eine subklinische Hyperthyreose einen bislang stabil eingestellten Diabetes mellitus zur Entgleisung bringen kann. Andererseits kann eine Hypothyreose mit einer verstärkten Hypoglykämieneigung einhergehen. Lebhaft wirkte ihr Vortrag nicht zuletzt durch gute Praxistipps. Ist ein Patient oder eine Patientin bei Einnahme von Thyroxin-Medikamenten stabil eingestellt, sollte keineswegs ein Präparatwechsel erfolgen, da die Hersteller unterschiedliche Bioverfügbarkeiten aufweisen. Dies könne zu massiven Entgleisungen zuvor stabiler Stoffwechsellagen der Schilddrüsenhormone, aber auch des Diabetes mellitus führen, ohne dass man einen etwaigen Trend zuvor vorhersagen könne.

Ganz pragmatisch empfahl sie daher, bei Erkrankten mit Typ-1-Diabetes eine jährliche Überprüfung der Schilddrüsenfunktion (Serum TSH Wert), aber auch der Schilddrüsen Antikörper (TPO) vorzunehmen. Bei Betroffenen von Typ-2-Diabetes sollte man bei unklaren Stoffwechselentgleisungen sowie bereits bei Befindlichkeitsstörungen die Schilddrüse als mögliche Ursache stets bedenken. Dies gelte insbesondere für ältere Menschen, da sich diese eher mit einer ungewöhnlicheren (Mono-)Symptomatik und keineswegs dem Vollbild aus dem Lehrbuch zeigten.

Schlussendlich ist es mir ganz persönlich ein Anliegen, Danke zu sagen für die Möglichkeit, ein Reisestipendium zur Herbsttagung erhalten zu haben. Die AG Nachwuchs hatte vor Ort ein hochkarätig besetztes ‚Willkommens-Programm‘ organisiert! Dank des erfolgten Hybrid-Kongresses ergibt sich auch für uns Berufseinsteiger und -einsteigerinnen die Möglichkeit, einen so sehenswerten Vortrag wie diesen auch im Nachgang noch in der Mediathek anzusehen bzw. Thematiken zu vertiefen.

Dr. Angela M. Hess, BG Klinik Ludwigshafen

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