Mehr als nur eine Typfrage – ein Zwischenbericht auf dem Weg zur personalisierten Diabetesdiagnose

Dank eines Stipendiums der DDG kam ich im Rahmen des Diabetes Kongress 2019 in Berlin unter anderem auch in den Genuss vieler Symposien. Besonders interessant fand ich aus der Reihe “Neue Mechanismen für Prävention und Therapie des Diabetes” den Vortrag von Dr. Henriette Kirchner von der Universität Lübeck. Sie stellte neue Erkenntnisse aus ihrer und anderen Gruppen vor, mit denen sich Subtypen des Diabetes mellitus II anhand verschiedener Marker im Blut unterscheiden lassen könnten. Besondere Betrachtung fanden epigenetische Merkmale und miRNAs. Bei diesen konnte gezeigt werden, dass bestimmte Einzelwerte zusammengefasst einen Score ergaben, mit dem sich nicht nur die Manifestation eines Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen vorhersagen ließ, sondern beispielsweise auch Aussagen darüber getroffen werden konnten, wie insulinresistent ein Patient werden würde. Denkbar wäre demnach ein Vorsorge-Screening, das nicht nur Risikoträger Jahre im voraus erkennt, sondern auch bei Auftreten einer Insulinresistenz eine genaue Charakterisierung erlaubt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zunächst besteht das Problem, dass verschiedene Studien kaum übereinstimmende Marker vorschlagen. Zudem liegt der Anteil an falsch-positiven Vorhersagen aktuell noch bei ca. 40%. Auch wurden in der anschließenden Diskussion medizinische und volkswirtschaftliche Bedenken gegenüber dem Screening geäußert. Durch weitere intensive Forschung und eine umfassendere Kombination von Markern zu Scores sollte allerdings zu erwarten sein, dass sich in den kommenden Jahren viel tun wird auf dem Weg zur frühzeitigen und personalisierten Diabetesdiagnose.

Konrad Didt

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