Looping – was bitte ist das denn?

Eine der vielen Sachen, die man aus dem Studium nicht kennt: Looper, Loops, Looping. Das Wort Looper beschreibt Menschen, die mittels eines (closed-) Loops über ein Smartphone eine automatische Kopplung zwischen ihrem CGM -Gerät und der Insulinpumpe herstellen. Dadurch kommt es zur automatisch angepassten Insulinzufuhr basierend auf den vom Sensor gesendeten Werten. Im Idealfall wird der Blutzucker sehr strikt im Zielbereich gehalten.
Ich fand die Diskussion über Loopings in der Diabetestherapie besonders aufschlussreich. Nacheinander bringen ein Betroffener, ein Jurist, eine Diabetesberaterin und ein Arzt dem Zuhörer ihren Standpunkt näher.

Der Betroffene
Der Patient beschreibt recht eindrücklich, was es heißt, als 40 Jähriger seit 35 Jahren mit einem Typ 1 Diabetes zu leben: ca. 60000 Blutzuckermessungen (2000h), ca. 30000 Spritzen (1000h) und entsprechend ca. 7l Insulin. Er als Spezialist beim Thema IT-Sicherheit hat natürlich einen recht intuitiven Zugang zum Looping. Das zeigt sich auch an seinen HbA1c Werten: Mit Insulinpumpe eigentlich nie unter 7,5%, bei einem zusätzlichen CGM-Gerät ein munteres Rauf und Runter, sinkt der Wert erst nach dem Looping unter 6,5%. Auch seine Blutzuckerwerte können mit dem Closed Loop System sehr konstant gehalten werden.

Der Jurist
Juristisch gesehen gibt es keine Erwähnung im Gesetz und dadurch lediglich das Gutachten der DDG als Wegweiser. Demnach ist der Eigengebrauch weder strafbar noch ordnungswidrig. Durch die zweckfremde Nutzung besteht allerdings gegebenenfalls kein Haftungsanspruch mehr gegenüber dem Hersteller. Das Anbieten bzw. Vertreiben dagegen ist strafbar. Weitergehend ist bereits die Durchführung von Schulungsmaßnahmen bedenklich, da es ein Medizinprodukt nicht nur zweckbestimmt zur Anwendung bringt. Zusammenfassend rät die DDG Ärzten davon ab, „‚Loopern‘ eine Plattform zum Austausch“ anzubieten.

Die Diabetesberaterin
In ihrem Fall ist sie nicht nur Diabetesberaterin, sondern auch selbst betroffene Diabetikerin und Looperin. Sie stellt die Vorteile in den Vordergrund, warnt aber auch davor, dass Loopen „weiterhin eine aktive, extrem engagierte Mitarbeit“ fordert. Sie ist der Meinung, dass motivierten Patienten geholfen werden sollte und mit ihnen, auch im Fall des Loopens, zusammengearbeitet werden muss.

Der Arzt
Der Arzt klingt zwar am Anfang eher negativ eingestellt, sagt dann aber, dass er beeindruckt sei von der Hartnäckigkeit und Konsequenz, mit der Looper ihre Sache durchziehen. Rechtlich gesehen wirft er die Frage ein, wie es ist, wenn Eltern für ihre Kinder ein Looping-System bauen. Und ob es noch gut ist, den BZ-Spiegel so ‚unphysiologisch‘ konstant zu halten, wie es bei Loopern der Fall ist. Er betont, dass es kein System für jeden ist, und nur für einen kleinen Teil der Diabetiker in Frage kommt, die sich weiterhin intensiv damit auseinandersetzen müssen.

Ich habe vor allem mitgenommen, dass man Looper mit ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine lassen darf. Man muss ihnen zeigen, dass man weiterhin mit ihnen zusammenarbeitet. Es lässt darauf hoffen, dass dieses Thema in Zukunft präsenter und die Rahmenbedingungen patientenfreundlich angepasst werden, denn schließlich sollte das Patientenwohl im Vordergrund stehen.

Franziska Engels

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