Kritik am Fall Peacock: Warum die angebliche Diabetes-Sensation keine ist

Pressestelle DDG

Vor einer Woche berichtete einer unserer Blogger von der erfolgreichen Inselzelltransplantation bei einer Patientin mit Typ-1-Diabetes, die auch in diversen Medien als Meilenstein bezeichnet wurde. Innerhalb der DDG waren die Reaktionen jedoch eher zurückhaltend: Es handele sich grundsätzlich um eine Inselzelltransplantation, wie sie an vielen Zentren in USA, Europa und auch in Deutschland bei bestimmten Diabetes-Typ-1-Patienten durchgeführt wird. Die Zellen wurden lediglich in anderer Weise und an einen andere Ort im Körper implantiert. Das entscheidende Problem bleibt jedoch bestehen: Selbst wenn die transplantierten Langerhans-Inseln langfristig funktionstüchtig bleiben, müsste Wendy Peacock für den Rest ihres Lebens Immunsuppressiva einnehmen. Ein „völlig normales“ Leben ohne regelmäßige Untersuchungen und Medikamente, wie die Medienberichte es in Aussicht stellen, wäre also trotz erfolgreicher Transplantation nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass es nicht ausreichend Spenderorgane gibt.

Über vielversprechende neue Therapieansätze der Technischen Universität Dresden berichtete die DDG im Mai 2013. Vor einem Jahr setzte das Team um Professor Bornstein erstmals einem Patienten mit Typ-1-Diabetes einen sogenannten Bio-Reaktor mit Inselzellen ein. Geschützt durch eine Dose versorgten die Zellen den Patienten knapp ein Jahr mit Insulin. Der Reaktor ist so konzipiert, dass er die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems schützt, umgekehrt aber auch das Insulin in den Körper gelangen lässt. Die Dresdener arbeiten daran, dass dadurch auch eine Transplantation von Schweinezellen möglich wäre, so dass man ganz auf menschliche Spender verzichten könnte. Dazu sind allerdings noch weitere experimentelle Untersuchungen notwendig.

In der diabetologischen Forschung tut sich Vieles, so dass Diabetologen ihre Patienten immer besser versorgen können. Dass ein erfolgreiches Studienergebnis noch keine Heilung bedeutet, ist natürlich jedem Wissenschaftler klar. Gerade auf Patienten wirken solche Meldungen ganz anders, insbesondere, wenn die Medien ihr übriges dazutun. Deshalb ist es auch Aufgabe des Arztes seinen Patienten den Unterschied zwischen Wunschdenken und Realität aufzuzeigen.

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