Kreativ und alltagstauglich: Innovationen aus Patientenhand

Von Peter Grabitz

Die ärztliche Tätigkeit ist eine besondere Form der Dienstleistung. Der Patient als Leistungsempfänger nimmt Behandlungen und Ratschläge vom Arzt seines Vertrauens entgegen. Wenn Patienten ihre Interessen nicht ausreichend vertreten sehen, organisieren sie sich in online Patientenforen oder Interessengruppen. Hin und wieder verklagen sie auch.

Die klassische Wahrnehmung des Arzt-Patienten-Verhältnisses ändert sich mehr und mehr. Anstatt nur Empfänger medizinischer Leistungen und  Fortschritts zu sein, agieren viele Patienten heutzutage selbst als Ursprung und Kern für Innovationen! Das Spektrum an Lösungen, die Patienten entwickelt haben, reicht von einfachen Handgriffen, die den Alltag erleichtern bis hin zu komplexen neuen Konzepten.

Die in Portugal gegründete Initiative „Patient Innovation“ bestärkt Patienten seit 2 Jahren in den von Ihnen entwickelten Innovationen:

Zum Beispiel gibt es Jerry, einen Teddy Bär der Insulinspritzen kinderfreundlich erklären kann (Video). Er wurde 2012 von zwei Betroffenen erdacht und erscheint nun auch in einer Ausführung zu Lebensmittelallergien.

Vor etwa einem Jahr wurde über Ed Damiano berichtet. Sein 11-jähriger Sohn leidet an Diabetes Typ 1. Als Biomechaniker hat Ed seine unmittelbare Betroffenheit inspiriert ein biogenes Pankreas zu entwickeln, das außerhalb des Körpers getragen wird und mit einem IPhone 4S gesteuert werden kann. Dass dieser Aufbau grundsätzlich funktioniert, wurde in einer im NEJM erschienenen Studie beschrieben.

Die Liste an weiteren Diabetes-Innovationen ist lang und zeigt, dass Not  – ganz der Redensart zufolge – tatsächlich erfinderisch macht. Als praktizierende und angehende Ärzte sollten wir diesen Erfindungsdrang nutzen und unsere Patienten darin unterstützen. Zum Beispiel, indem wir:

  1. unser Wissen teilen und Forschungsergebnisse öffentlich machen. Stichwort: Open Access: denn nur wenn Patienten Zugang zu Wissen haben, können sie es auch nutzen.
  2. Patienten im Klinik- und Praxisalltag in Ihren Ideen stärken und Dialog fördern: sie können sich selbst am besten helfen.
  3. als Student ebenfalls eine AG zu Patienten Innovationen gründen

Denn gerade in der Diabetologie ist es wichtig die Patienten auf seiner Seite zu wissen und einander auf Augenhöhe zu begegnen. Das wiederum fällt leichter, wenn man um das Potential von Betroffenen weiß.

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