Insulin – Mehr als nur ein Hormon zur Blutzuckerregulation

Insulin ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Hormone des menschlichen Körpers. Im Rahmen des Medizinstudiums wird ausführlich auf die außerordentlich wichtige Rolle des Hormons bei der Blutzuckerregulation eingegangen. Weitere Funktionen des Insulins, wie zum Beispiel die Wirkung im Gehirn, kommen dabei jedoch häufig zu kurz. Umso interessanter fand ich daher die Einblicke beim Symposium „Brain & Metabolism“ auf der diesjährigen DDG Herbsttagung 2021. Auf einige neue Aspekte, die ich während des spannenden Symposiums über Insulin lernen durfte, möchte ich hier genauer eingehen. 

Im ersten Vortrag von Dr. Henning Fenselau konnte ich viel Neues über die wichtige Rolle der Insulinwirkung im Nucleus arcuatus (ein Kerngebiet im Hypothalamus des Gehirns) bei der Gewichtsregulation und der Regulation von Hunger lernen. Besonders beeindruckend fand ich dabei, auf welch große Anzahl an unterschiedlichen Neuronengruppen im Nucleus arcuatus das Hormon Insulin eine Wirkung haben kann. Auch die Ausführungen über die komplexe Zusammenwirkung und Integration der unterschiedlichen Signale im Rahmen der Gewichtsregulation in diesem Kerngebiet des Gehirns waren sehr lehrreich. Neben dem Insulin spielen hierbei auch Signale aus dem Magen-Darm-Trakt, Signale von anderen Neuronen und weitere Hormone, wie zum Beispiel das Leptin, eine wichtige Rolle. 

Im zweiten Vortrag von Professor Kern wurde eindrücklich aufgezeigt, welche Entwicklung die Forschung durchlaufen hat, von der ehemaligen Hypothese, dass das Gehirn ein insulinunabhängiges Organ sei, bis zum heutigen Stand der Forschung. Ein interessanter Fakt aus dem Vortrag, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Tatsache, dass Insulin nicht nur eine wichtige Funktion bei der Hungerregulation im Gehirn hat, sondern auch Effekte auf die Gedächtnisleistung zeigt und somit, gerade als potenzielles Therapeutikum, bei Alzheimer Erkrankungen getestet wird. 
Außerdem habe ich gelernt, dass es bei adipösen Menschen zusätzlich zur peripheren auch zu einer zentralen Insulinresistenz kommen kann.

Insgesamt hat das Symposium „Brain & Metabolism“ mir viele neue Einblicke in die Wirkungsweise von Insulin im Gehirn gegeben. Es ist faszinierend, wie viel Wissen über die Wirkungsweise dieses Hormons im Gehirn in den letzten Jahren durch die Forschung dazu gewonnen wurde und wie vieles uns immer noch unbekannt ist. Ich bin daher sehr gespannt auf die Forschungsergebnisse der kommenden Jahre in diesem Bereich. 

Stephan Schwer

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