…in der Ferne nah – Mannheimer Exkursion

Kongresse bieten die Möglichkeit, neue sowie altbekannte Themen einmal aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Raus aus Vorlesungen, Seminaren oder der Literaturrecherche zur Doktorarbeit. Raus aus „Monnem“. Rein in die praxisorientierte Herbsttagung. Auf nach „Leipzsch“!

Überblick anstatt Detailflut

Wider Erwarten ist für mich – eine medizinische Doktorandin in der experimentellen Diabetesforschung – die DDG Herbsttagung in Leipzig besonders spannend gewesen. Denn es ging raus aus dem Labor und rein in die Tagung: Das heißt normalerweise viel harte Arbeit interessant „verpacken“, einreichen und hoffen, vom Kongress nützlichen Input und originelle Ideen zum Weiterforschen mit nach Hause zu nehmen. Beim EASD, dem europäischen Diabeteskongress, erlebte ich im letzten Jahr dann aber den klassischen „Overkill“: Zu spezifisch, zu detailreich, einfach zu viel (aktuelle Anzahl der EASD E-Poster 2019: 7400!). Trotzdem würde ich wieder hingehen…mir dann aber vorher genau überlegen, welche Sessions ich wirklich hören möchte.

Die Herbsttagung war anders als der EASD – vor allem in diesem Jahr. Keine Poster, viele Fallbeispiele sowie praxisorientierte Zusammenfassungen der Studienlage und trotzdem auch ein paar Beiträge aus der Grundlagenforschung. Aber kein Overkill. Dadurch blieb auch noch Energie, um mehr von der Stadt mitzubekommen und neben etwas Sightseeing sogar eine Motette des Thomanerchors mit einer Ansprache zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls hören zu können, die an die Eröffnungsveranstaltung der Herbsttagung anschloss. Dort hatte Friedrich Schorlemmer bereits eine fesselnde Rede zum Mauer“fall“ gehalten und daran erinnert, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, damals wie heute, um Mauern zu stürzen, denn sie fallen nicht von alleine.

Mannheim in der Ferne

Trotz Doktorarbeit im Labor werde ich bald als klinische Ärztin arbeiten und erfahren, was erreichte Studienendpunkte für die Patientenbehandlung bedeuten und welche Faktoren außerdem Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten außerhalb der Studien haben.

In einem Symposium zur Pharmakotherapie hörte ich dann einen Vortrag von Professor Forst, der an der „Clinical Research Services Mannheim GmbH“ forscht. Als Mannheimer Studentin und Doktorandin hatte ich davon noch nie etwas gehört. Kein Wunder, denn er lehrt als Dozent an der Universität Mainz. In seinem Vortrag zum Crosstalk der Alpha- und Betazelle sowie dessen Folgen für die Therapie, wurde mir zum ersten Mal wirklich klar, welche Probleme eine exogene Insulingabe mit sich bringt: Durch die physiologisch unterschiedliche Verteilung des Insulins in den Körperkompartimenten ist die Konzentration von Insulin direkt an der Betazelle um ein Vielfaches höher als in der Pfortader und hat nur noch einen Bruchteil der Ausgangskonzentration im Muskel. Bei der therapeutischen Insulingabe subkutan gibt es diesen Gradienten nicht. Zu viel Insulin in der Peripherie und zu wenig direkt an der Betazelle, um die Ausschüttung von Glukagon an der Alphazelle zu hemmen. Die Folge: Eine weitere Erhöhung des Blutzuckers durch Induktion der Glukoneogenese. Vor Professor Forsts Vortrag war mir nur bewusst: Durch eine Insulinresistenz verliert das Insulin seine Wirkung auf die Glukoseaufnahme in die Zelle. Nun wurde mir nicht nur klar, dass Glukosesenkung durch Insulin zur Therapie eigentlich nicht ausreicht – ich verstand auch die Hintergründe.

Mein Fazit: Nach dieser Tagung habe ich nicht nur mehr über Diabetes gelernt, sondern auch über die Diabetesforschung in meiner Region und eine spannende neue Stadt entdeckt.

Katharina Kohl

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