Hypertonie und Diabetes im Kindes- und Jugendalter – zwei ungleiche Schwestern

Diabetes und Bluthochdruck sind in der Erwachsenenmedizin allseits gegenwertige Volkskrankheiten. Dass die Inzidenz von Hypertonie auch in der Kinder- und Jugendmedizin ansteigt, legte Frau Professor Dr. Wühl im DHL Symposium dar und stellte europäische Leitlinie zur Hypertonie-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen aus dem Jahr 2016 vor. Die steigende Inzidenz ist vor allem auf den veränderten Lebensstil der Kinder und Jugendlichen heutzutage zurückzuführen: Während ein Bluthochdruck bei normalgewichtigen Kindern nur in 1,4 Prozent vorkommt, steigt dies auf das fünffache bei übergewichtigen und fast auf das 18-fache bei adipösen Kindern an. Sekundäre Ursachen für Hypertonie, wie u.a. chronische Nierenerkrankungen, Schlaf-Apnoe-Syndrom oder Cushing-Syndrom, müssen diagnostisch ausgeschlossen werden.

Frau Professor Dr. Wühl hob hervor, wie wichtig die differenzierte Sichtweise auf die jeweiligen Messwerte ist:  Die Bluthochdruck-Definition orientiert sich nicht – im Gegensatz zum Blutzucker bei Diabetes – an einheitlichen Werten, sondern sind abhängig von Alter, Geschlecht und Körpergröße zu bewerten. Per Definition liegt ein Bluthochdruck vor, wenn der Messwert dreimalig über der 95. Perzentile liegt. Weitere Störfaktoren können sich ergeben, wenn die Blutdruckmanschette nicht an den Oberarmumfang angepasst wird.

Falls eine sekundäre Ursache des erhöhten Blutdrucks ausgeschlossen wurde, der Hypertonus keine Symptome bereitet und auch zu keinem Organschaden geführt hat, sollte der Bluthochdruck zunächst durch Lebensstiländerungen mit Fokus auf das Körpergewicht, Ernährung und sportliche Aktivität behandelt werden. Liegt neben dem Hypertonus jedoch die Diagnose eines Diabetes vor, sollte neben den Lebensstiländerungen zeitgleich eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Bei einem Diabetes werden – wie bei erkrankten Erwachsenen – strengere Blutdruckzielwerte angestrebt. Für die unter 16-Jährigen, Diabetes-kranken Hypertoniker sollte der Blutdruck unter die 90. Perzentile, bei zusätzlich vorliegender chronischer Nierenerkrankung unter die 75. bzw. die 50. Perzentile gesenkt werden, in Abhängigkeit davon, ob die Nierenerkrankung ohne oder mit einer Proteinurie einhergeht. Die frühzeitige Einleitung einer antihypertensiven Therapie bei Diabetes mellitus ist wichtig, um gesundheitliche Komplikationen abzumildern. Denn sowohl der Bluthochdruck als auch der Diabetes können frühzeitige atherosklerotische Veränderungen bedingen.

Frau Professor Dr. Wühls Vortrag machte deutlich, welche Herausforderungen auf die Kinder- und Jugendmedizin heutzutage zukommen: Diabetes und Hypertonie sind keine zufälligen Bekannten, sondern vielmehr Schwestern, die das kardiovaskuläre Risikoprofil der Kinder und Jugendlichen erhöhen. Daher sind für die Arbeit als Pädiater nicht nur sieben Größen an Blutdruckmanschetten, sondern vor allem ein differenzierter Blick und ein Fokus auf zusätzliche Patienten- und Elternedukation von Bedeutung.

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