HbA1c vs. Time in Range – Welcher Parameter zählt?

Welcher ist der bessere Parameter, Time in Range (TIR) oder der HbA1c? Dieser wichtigen Frage ging Dr. Thorsten Siegmund in seinem Vortrag auf der Diabetes Herbsttagung der DDG in Leipzig nach. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Continuous Glucose Monitoring (CGM) im Rahmen der modernen Pumpentherapie stehen viele neue Parameter zur Verfügung, die potentiell anstelle des blutig gemessenen HbA1c Verwendung für die Therapieeinstellung und Prognose finden können.

Insbesondere die Time in Range, also der Anteil der gemessenen Werte und der Zeit, in der sich die Gewebeglukose eines Patienten zwischen 70 und 180 mg/dl befindet, wird zunehmend als wichtiger Parameter diskutiert.

Dr. Siegmund betonte in seinem Vortag jedoch, dass es auf Grundlage aktueller Daten und Metaanalysen wenig Sinn mache, den Versuch zu unternehmen, sich gänzlich vom HbA1c zu trennen. Vielmehr bieten beide Parameter wichtige und sich ergänzende Informationen für Ärzte und Patienten. Während zahlreiche Studien gezeigt haben, dass sich der HbA1c relativ gut als Prognoseparameter zur Abschätzung von Spätkomplikationen und damit von diabetesassoziierter Morbidität und Mortalität eignet, konnte ein solcher Zusammenhang für die TIR bisher nicht nachgewiesen werden. Die TIR kann jedoch als wichtiger zeitlich hoch aufgelöster Behandlungsparameter herangezogen werden, um einen besseren Überblick über die Variabilität des Glukosespiegels und insbesondere gefährliche Hypoglykämien zu erhalten. Außerdem eignet sich die TIR ausgezeichnet als griffiger Parameter zum Selbstmonitoring durch den Patienten und zur besseren Motivation und Kommunikation.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse stellt sich nun die Frage, ob sich der HbA1c-Wert nicht auch auf Basis der TIR mithilfe einer Formel errechnen lässt. Formeln für die Bestimmung des sogenannten Estimatet HbA1c oder eHbA1c sind in der Literatur durchaus beschrieben und kommen im Rahmen des CGM bereits zur Anwendung. Die Korrelation zwischen dem eHbA1c und dem blutig gemessenen HbA1c ist jedoch nicht sehr hoch und zeigt starke interindividuelle Variabilität. Dies liegt darin begründet, dass bei einem gegebenen Blutzuckerspiegel die individuelle Glykolysierung sehr unterschiedlich sein kann. Außerdem ändert sich der eHbA1c gegebenenfalls mit der Dauer des zeitlichen Intervalls (meist 2-4 Wochen), das zur Berechnung herangezogen wird.

Es bleibt daher festzuhalten, dass beide Werte, die TIR und der blutig gemessene HbA1c in absehbarer Zeit ihren Stellenwert in einer erfolgreichen Pumpentherapie beibehalten werden, da sie nur in Kombination ein möglichst vollständiges Bild der Glykämie eines Patienten vermitteln können.

Pablo Nieratschker

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