HbA1c vs. Time in Range –Duell der Meister

Das HbA1c ist das Diagnosemittel in der Diabetologie. Nun soll dieser langbewährte, vertraute Parameter ersetzt werden durch den sogenannten „Time in Range“ (TIR). In dem Pro- und-Contra-Duell zwischen Prof. Dr. med. Thomas Danne und Dr. med. Guido Freckmann wurden diese zwei Parameter gegenübergestellt und diskutiert.

Langzeit vs. Aktuelles Feedback
Während das HbA1c den Zuckerwert der letzte 2-3 Monate darstellt und somit als guter Langzeitparameter dient, liefert die TIR stets aktuelle Werte, womit ein sofortiges Feedback möglich ist. Neben der Beurteilung von TIR sollten auch „Time below Range“ und „Time above Range“ betrachtet werden um Hypo- und Hyperglykämien identifizieren zu können.

Die TIR beruht auf dem Prinzip des Continous Glucose Monitoring (CGM). CGM ermöglicht die schnelle Einsehbarkeit der Werte von zu Hause oder auch von unterwegs. Hierdurch können Patienten den Zuckerentgleisungen gleich entgegenwirken und etwaige Dauerschäden vermeiden.

Das HbA1c ist abgesehen von der Glukosekonzentration auch von der Hämoglobin-Konzentration abhängig. Daher haben Erkrankungen, die die Anzahl der Erythrozyten reduzieren, Einfluss auf den HbA1c, was eine fehlerhafte Darstellung des eigentlichen Glukosewertes bedingen kann. Zusätzlich beeinflusst die Ethnie die Glykosylierung des Hämoglobins. Daher tendieren asiatische, dunkelhäutige und lateinamerikanische Menschen dazu einen höheren HbA1c zu haben.

TIR – doch die bessere Alternative?
Obwohl TIR vielversprechend klingt, ist das große Problem die einheitliche Etablierung. Je nach Hersteller gibt es verschiedene Standards, Referenzmethoden und Softwares. Dies erschwert eine Vergleichbarkeit der einzelnen Geräte. Die Compliance der CGM-Anwender beeinflusst die Ergebnisse der Glukosemessungen über einen längeren Zeitraum. Eine bessere Studienlage wäre notwendig um die Verlässlichkeit der TIR als begleitende Messmethode während des Krankheitsverlaufs ersichtlich zu machen.

Ich fand das Pro- und-Contra-Duell zwischen den beiden Medizinern sehr bereichernd. Dasselbe Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten legt viele Karten offen. Dadurch kamen verschiedene praxisrelevante Themen zum Vorschein, welche bei einer einseitigen Präsentation oft unter den Tisch gekehrt werden.

Trotz verschiedener Ansichten und einiger Limitationen beider Methoden, war das Fazit, dass sowohl der HbA1c als auch der TIR wichtige Parameter sind. Sie sind nicht kompetitiv, sondern ergänzend zu verwenden.

Anna-Tina Joseph

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