Happy Birthday, Insulin! Rückblick, Überblick und Ausblick über die Insulintherapie in der Kinderheilkunde

Die erste Insulingabe am 11. Januar 1922 war eigentlich kein vollkommener Erfolg – die Ketonwerte blieben gleich und es gab einen sterilen Abszess. Am 25. Februar war es viel besser: das Insulin war rein genug, um die Glukosewerte bei Leonard Thomson zu senken und die Ketone verschwinden zu lassen.

Das Insulin hat viele Gesichter, sagt Professor Thomas Danne in seinem Vortrag zur „Insulintherapie in den letzten 100 Jahren“. Zum Einen ist es ein Lebensretter, zum Anderen aber ein Ziel des Immunsystems (als Autoantikörper) und somit auch vielleicht eine potentielle  Möglichkeit in der Prävention des Diabetes.

Schon im Jahr 1926 gab es erste Anfänge der Kinderdiabetologie. Bereits da wurde klar, dass sich Kinder mit Diabetes ganz normal entwickeln können, ohne sich von Kindern ohne Diabetes zu unterscheiden. Vor 95 Jahren wurde ebenfalls die Aussage formuliert, dass diejenige Behandlungsart optimal sei, bei der der Blutzucker möglichst Norm-nah ist.

Im Laufe der Zeit wurde das Thema der Folgekomplikationen bei Diabetes beleuchtet, die trotz der Insulintherapie auftraten. Studien haben gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen einer suboptimalen Stoffwechseleinstellung und Langzeitprognose schon im Kindes- und Jugendalter beginnt.

Die Geschichte der Insulintherapie umfasst mehrere Stichworte: von der ersten therapeutischen Insulingabe, über NPH (Neutrales Protamin Hagedorn) und Lente Insulin, biosynthetisches Humaninsulin der ersten, zweiten und dritten Generation,…

Und wie sieht die Zukunft aus? Orales Insulin, physiologisch verteiltes Insulin, Glukosesensitives „Smart Insulin“ – das sind alles Vorstellungen und mögliche Richtungen, in die die Diabetologie gehen könnte.

Im Überblick über die Therapie dürfen auch „Hilfsmittel“ nicht vergessen werden, die die Umsetzung der Behandlung wesentlich einfacher gemacht haben. Erst waren das die Insulinpens. Und später wurde klar, dass die Insulintherapie mit ICT (intensivierte konventionelle Insulintherapie) auch bei Kindern möglich und durchführbar ist.

Dann kam es zum Paradigmenwechsel: Im Fokus standen Eltern und Familien der Kinder mit Diabetes. Denn: Selbstmanagement im Alltag erschien wichtig und dazu waren Schulungen notwendig. Dank der Arbeit von Professor Karin Lange wurden diese Schulungen eingeführt und an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst.

Heute wissen wir, dass – wie der jetzige DDG-Präsident Andreas Neu sagt – „die Diabetologie Teamarbeit ist“. Um die Insulintherapie weiter zu optimieren, sind außerdem Forschung, aber auch Register und Datenbanken von Bedeutung. So war also auch die Entwicklung der dpv-Initiative ein großer Schritt in der (pädiatrischen) Diabetologie.

Später kam die „Onset-Studie“  dazu mit der Erkenntnis, dass eine Pumpentherapie bereits ab Manifestation und im Vorschulkindesalter möglich ist und auch durch die Eltern besser angenommen wird.

Mittlerweile haben wir CGM- Systeme (Continuous Glucose Monitring), die die Therapie steuern. Und schließlich gibt es jetzt eine automatische Insulndosierung (AID), die unsere Vorstellung bzgl. der Diabetestherapie ändert. So rückt die Trennung von Basal- und Bolusinsulin in den Hintergrund. Stattdessen gibt es Nutzer-initiierte Bolusgaben und Algorithmus-gesteuertes Insulin. Wir müssen also auch umdenken und gemeinsame Therapieprinzipien bei AID-Systemen definieren. Dazu brauchen wir wiederum gute Schulungen und gute Diabetesteams, die sich mit den neuen Technologien auskennen und die Patientinnen und Patienten entsprechend beraten können. Und dies stellt für uns alle ein gemeinsames Ziel dar, welches wir zukünftig erreichen möchten.

Irena Drozd

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