Grünes Licht für gesunde Ernährung?!

Es ist allseits bekannt, dass die Flut an Diabetes größten Teils dem ständigen Überangebot an Nahrung geschuldet ist. Die Wahrnehmung hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert, doch noch immer gibt es keine eindeutige Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel und das erlaubt weiterhin viele Schlupflöcher für Zuckerfallen. Barbara Bitzer gab auf dem Deutschen Diabetes Kongress einen erschreckend interessanten Einblick in die aktuelle Ernährungspolitik. Um gezielt gesunde Ernährung umzusetzen, werden in vielen Ländern Nährwertkennzeichnungen eingeführt, wie z.B. der Nutri-Score.

Bei dem Nutri-Score handelt es sich um eine farbige Ampel, welche auf der Vorderseite einer Lebensmittelverpackung deren Nährwertqualität vereinfacht kennzeichnet. Der von französischen Wissenschaftlern entwickelte Score berücksichtigt dabei ungünstige Nährwerte, wie z.B. Zucker oder ungesättigte Fettsäuren, sowie günstige Inhaltsstoffe, z.B. Obst, Gemüse und Ballaststoffe. Der aus diesen Verfahren gewonnene Wert wird auf der Skala zwischen einem dunkelgrünem A bis zu einem roten E markiert.

Nach langer Entwicklung wurde dieses Lebensmittelkennzeichnung erstmalig 2018 in Frankreich flächendeckend eingeführt. Gefolgt von Belgien, Spanien und Portugal. Auch in Deutschland beauftragte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das Max-Rubner-Institut (MRI) den Nutri-Score ausgiebig zu testen. Daraus ging hervor, dass dieser alle vorhergesehenen Kriterien für eine ausreichende Lebensmittelkennzeichnung erfüllt.

Jedoch gestaltet sich die Einführung nicht so einfach wie gedacht. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner revidiert ihr Vorhaben, den Nutri-Score zeitnah einzuführen. Ganz im Gegenteil, das MRI wurde dazu beauftragt eine für Deutschland zugeschnittene Nährwertkennzeichnungsampel zu entwerfen, mit eigenen Studien und eigener Entwicklung. Die dafür vorgesehene Dauer laut MRI: mehrere Jahre. 

Ein aktuelles Urteil des Landesgericht Hamburg verbietet durch Einstweilige Verfügung einem großen deutschen Lebensmittelunternehmen die Platzierung des Nutri-Scores auf ihren Produkten. Die freiwillige Datierung der Fischspezialitäten des weißbärtigen Kapitäns wird also aus wettbewerblichen Gründen zu Ungunsten des Verbrauchers ausgebremst. Dieses Schauspiel verdeutlicht, dass die deutsche Politik die Entwicklung im Lebensmittelmarkt verschlafen hat.“ [1]

In wie weit damit versucht wird, Zeit zu gewinnen und der Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft finanzielle Einbuße versucht zu verhindern, sei dahingestellt.
Fakt ist, dass letzten Endes der Verbraucher zu Schaden kommt und man den Fokus auf das Wesentliche setzen sollte: Nämlich die Vereinfachung gesunder Ernährung durch den Nutri-Score und die daraus resultierende systematische Reduzierung von Adipositas. Denn letztlich führt dies zur Verminderung aller damit verbundenen Komorbiditäten, insbesondere Diabetes. 

Julius Ekert

Literatur
[1] Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), zitiert nach https://www.diabetologie-online.de/a/urteil-zum-nutri-score-innovative-lebensmittelhersteller-werden-auch-durch-ministerin-kloeckner-ausgebremst-1994564 (29.06.2019).

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