Gewichtsmanagment in der Schwangerschaft: Was Venus von Willendorf und unsere Hände damit zu tun haben

von Carina Zwafink

Als Letzter der Sitzung „Therapie des Typ-1 und -2 Diabetes in der Schwangerschaft“ referierte Prof. Kainer über das Gewichtsmanagement von adipösen Schwangeren und Schwangeren mit Anorexia nervosa.

Der in Österreich geborene Kainer startete seinen Vortrag mit einer Abbildung, der in Wien ausgestellten Skulptur von Venus von Willendorf aus dem Jahr 25000 v.Chr. – quasi als modernes PCOS-Vorbild (Polyzystisches Ovarialsyndrom). Als Vergleich sahen wir dann eine arg beleibte Frau diesen Jahrhunderts auf einer Parkbank sitzend, die mit „Venus von Wilmersdorf, 2000 n. Chr.“ betitelt wurde. Trotz moderner Therapie, Ernährungsberatungen, Apps usw. – im Kampf gegen die Volkskrankheit „Adipositas“ sehen wir keine Unterschiede zu damals. Was machen wir falsch?

Adipositas in der Schwangerschaft bleibt nicht ohne Folgen für Kind und Mutter

Wir wissen um das Problem „Adipositas in der Schwangerschaft“ mit all den bekannten Folgen für die Kinder dieser Frauen (Frühgeburtlichkeit, erhöhte LGA-Prävalenz). Klar, adipöse Frauen entwickeln deutlich häufiger einen Gestationsdiabetes (GDM) und dieser ist mit zahlreichen negativen Folgen für Kind und Mutter selbst verbunden. Das konnten wir an diesem Tag bereits in der Sitzung „Gestationsdiabetes und Typ-2-Diabetes bei Frauen“ hören. Aber auch unabhängig des GDMs, ist der Faktor „präkonzeptionelle Adipositas“ ein Risikofaktor für schlechteres Outcome der Kinder.

Natürlich ist nicht nur bei den Kinder, sondern auch bei der adipösen Mutter selbst, mit vermehrten Komplikationen zu rechnen. Beispielsweise unterscheiden sich die Ovulationsraten normalgewichtiger und adipöser Frauen deutlich. Während Frauen mit einem BMI im Normalbereich mit einer Rate von 80 Prozent innerhalb von 6 Monaten ovulierten, lag die Rate bei Frauen mit BMI über 35kg/m² nur noch bei 11,8 Prozent. Kainer machte deutlich, dass zwar die Gewichtszunahme von adipösen Frauen während der Schwangerschaft (GWG) innerhalb der Empfehlungen sinnvoll ist, aber häufig zu spät.

Vor der Schwangerschaft Übergewicht reduzieren – auch bei Anorexia nervosa

Die Devise lautet also: Gewichtsreduktion bereits präkonzeptionell, also vor der Schwangerschaft! Und das gilt nicht nur für adipöse Frauen, sondern auch Frauen mit Anorexia nervosa (nervlich bedingte Appetitlosigkeit). Denn die Risiken für Kinder anorektischer Frauen sind ähnlich denen von adipösen Schwangeren, wie beispielsweise Frühgeburtlichkeit. Auch leiden die Kinder häufiger an Verhaltensstörungen, ADHS und dies insbesondere, wenn die anorektische Mutter während der Schwangerschaft symptomatisch war (Essstörung, Depression). Wie auch bei adipösen Schwangeren, scheint hier der erstmals 1995 von David J. P. Barker geprägte Begriff der „fetalen Programmierung“ eine Rolle zu spielen: Bereits im Mutterleib wird die Krankheitsdisposition der Kinder geprägt.

Was Zeige- und Ringfinger über den pränatalen Testosteronspiegel aussagen

Prof. Kainer forderte uns auf:  Schauen Sie Ihre Hand an! Das Verhältnis von Zeigefinger zu Ringfinger scheint etwas über den Testosteronspiegel, den man pränatal ausgesetzt war, auszusagen. Mädchen, deren Zeigefinger deutlich kürzer als ihr Ringfinger ist, scheinen intrauterin einem hohen Testosteronspiegel ausgesetzt worden zu sein, wie es bei einer anorektischen Mutter der Fall ist. Dies wiederum geht mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Essstörung einher. Und auch wieder hier sein Fazit: Das Gewicht bereits vor der Schwangerschaft in den Normalbereich bringen.

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