Gefahrenanalyse Hypoglykämie

Kommentar zum DDG Symposium Hypoglykämien – Wie belastend wie gefährlich?

Im alltäglichen Patientenumgang kann es leicht passieren, dass man die Hypoglykämie – ein nicht seltenes Ereignis bei Diabetikern – in ihrer Gefahr unterschätzt. Der ausgezeichnete Vortrag von Dr. Holstein aus Detmold diente als wilkommene Wissensauffrischung, um die Gefahren und Langzeitfolgen dieses Zustands bei Patienten angemessen einzuschätzen.

Hypoglykämien wurden anhand der Kriterien der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft definiert: Hier spricht man von einer leichten Hypoglykämie ab einem Blutzuckerspiegel ≤70mg/dl. Sobald Fremdhilfe erforderlich ist, wird es als schwere Hypoglykämie eingestuft.

Von allen Organen leidet am stärksten das Gehirn bei einer Hypoglykämie, da es auf eine tägliche Glucosezufuhr von 150g angewiesen ist. Bei diesem Vortrag wurde speziell eine longitudinale Kohortenstudie (Whitmer RA et al. JAMA 2009; 301: 1565-1572) erwähnt, die zeigen konnte, dass bereits eine einmalige schwere Hypoglykämie das Risiko für Altersdemenz um 26 Prozent erhöht. Eine zweite Hypoglykämie lässt das Risiko bereits auf 80 Prozent steigen.

Hypoglykämien haben auch erhebliche Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System. Schwere Hypoglykämien begünstigen kardiale Arrhythmien, und erhöhen das Risiko für einen Bluthochdruck sowie die koronare Herzkrankheit. Dies ist gefährlich, da besonders Typ-2-Diabetiker ja häufig schon andere kardiovaskuläre Risikofaktoren haben. Dadurch erhöht sich insgesamt die Gefahr für vaskuläre Ereignisse und das Mortalitätsrisiko steigt.

Dr. Holstein erwähnte auch, dass eine erhöhte Krebsinzidenz nach schweren Hypoglykämien vorliegt. Dies ist vermutlich jedoch auf eine erhöhte Vulnerabilität zurückzuführen und nicht direkt kausal zu verstehen.

Die psychosozialen Folgen von Hypoglykämien wurden auch thematisiert. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass Patienten mit häufigen Hypoglykämien auch eher an affektiven und Angststörungen leiden.

Der Vortrag hat nochmal gezeigt, dass eine effektive Patientenunterstützung in der Vermeidung von Hypoglykämien unabdinglich ist.

 

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