Freiwillig weniger Zucker?

In ihrem Vortrag gab Frau Bitzer einen interessanten Einblick in die politischen Aktivitäten des Bereichs der Prävention auf Bundesebene.

Die DDG – seit vielen Jahren sehr aktiv im Bereich der Verhältnisprävention tätig – hat 2014 das Bündnis „DANK“ gegründet, dem 22 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Institutionen angehören.
2018 wurde das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragt eine Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu erarbeiten – die DDG war sofort bereit hierbei mitzuwirken. Die bisherigen Ergebnisse dieser Reduktionsstrategie wurden vorgestellt und waren unzureichend. Die Ziele der Reduktionsstragie wurden auf freiwilliger Basis mit der Industrie vereinbart und sind bis 2025 umzusetzen – Maßnahmen bei Nichteinhaltung sind nicht kommuniziert. Die DDG hat sich darauf hin dazu entschieden aus dem Begleitgremium auszusteigen. Dieser Schritt wurde damit begründet, dass keine Nachbesserungen angedacht sind, die DDG keine Einflüsse auf Zielvereinbarungen hat und dass ein Monitoring so niedriger Ziele nicht sinnvoll ist. Die anderen Fachgesellschaften sind im Gremium verblieben, haben aber deutlich Kritik geäußert. Nach dem DDG-Austritt gab es eine große (meist) positive mediale Aufmerksamkeit. Wie geht es weiter?

Weiter ging es mit der Erarbeitung einer verständlichen und vergleichbaren Lebensmittelkennzeichnung. Bestehende Systeme wurden geprüft, der Gewinner: der Nutri-Score.
Der Nutri-Score, bereits in Frankreich etabliert, wurde über 15 Jahre lang wissenschaftlich entwickelt. Mittlerweile sind weitere Länder dabei das System einzuführen. Er führt nachweislich dazu, dass gesünder eingekauft wird. In Deutschland wird der Nutri-Score bereits von 5 Firmen freiwillig genutzt und könnte für Europa einheitlich ausgebaut werden. Dieser Score hätte also viele Vorteile. Frau Klöckner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) möchte für Deutschland stattdessen ein eigenes Modell entwickeln. Ein Nachteil eines eigenen Systems wäre die mehrjährige Entwicklungsphase. Inzwischen wurde bereits ein eigenes System für Deutschland vorgestellt. Dieses scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt verständlich: keine farbliche Kennzeichnung, in 4 Wochen entwickelt und nur mit Fußnoten verständlich. Wie geht es jetzt weiter?

Frau Bitzer machte in ihrem Vortrag deutlich, dass jeder Fortschritt in der Verhältnisprävention mühsam erstritten werden muss und viel Zeit benötigt. Wobei die wissenschaftlichen Erkenntnisse einen geringen Einfluss auszumachen scheinen.

Corinna Wessel

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