Fetale Prägung – Diabetes-Prävention beginnt schon im Mutterleib

Immer mehr Forschungsbefunde legen die Bedeutung der fetalen Prägung für die Entstehung chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas und kardiovaskuläre Erkrankungen dar. Frau Prof. Dr. Oberhoffer erläutert die Mechanismen und Folgen in ihrem Vortrag „Fetale Prägung“ im DDG/DHL-Symposium Diabetes, Hypertonie und Schwangerschaft.

Diese Prägung wird durch die sogenannte „Developmental plasticity“ beschrieben. Der Fetus adaptiert auf den intrauterinen Zustand, welcher als Art Prädiktor für das Leben extrauterin dient. Dadurch lernt der fetale Organismus, sich auf das selbstständige Leben nach der Geburt vorzubereiten. Liegen bei der Mutter Vorerkrankungen oder Risikofaktoren vor oder ist der maternale Organismus bestimmten Umweltfaktoren ausgesetzt, durch die es zu einer Plazentainsuffizienz kommen kann, so weichen die intrauterinen Bedingungen von denen einer normalen Schwangeren ab. Es kommt zu einem Mismatch zwischen dem intrauterinen und dem zukünftigen extrauterinen Zustand und der Fetus entwickelt funktionelle Kompensationsmechanismen, die er extrauterin nicht benötigt. Umso stärker der Fetus intrauterin depriviert wird, d.h. umso gewichtiger die Unterversorgung im Mutterleib ist, umso größer ist der Mismatch und umso dysfunktionaler sind die Anpassungsvorgänge des Feten. Dadurch können postnatal beispielsweise eine gestörte Glukosetoleranz, Adipositas oder strukturelle Veränderungen wie eine Verdickung der Koronararterien entstehen.

Sport und Bewegung können die Durchblutung der Plazenta verbessern und eine ausgeglichene metabolische Stoffwechsellage die adäquate Versorgung des Feten ermöglichen. Dadurch kann die Unterversorgung des Feten reduziert werden. Bei Vorliegen von maternalen Risikofaktoren oder Erkrankungen wie (Gestations-)Diabetes ist daher eine sportliche Betätigung und die Optimierung der Ernährung von Bedeutung, um lebenslange Komplikationen für den Feten zu minimieren.

Der Bedeutung der fetalen Prägung trägt auch die WHO in ihrer Stellungnahme von 2016 Rechnung, indem sie dazu anhält, schon präkonzeptionell sowie während der Schwangerschaft auf Lifestyle und Ernährung zu achten und dadurch einen Gestationsdiabetes zu vermeiden.

Die Erkenntnis, dass schon im Mutterleib der Grundstein für Volkskrankheiten wie Diabetes, Adipositas und kardiovaskuläre Erkrankungen gelegt wird, bietet der Medizin neue Angriffspunkte, um Gesundheit nachhaltig zu beeinflussen. Diese Erkenntnis stellt zudem die Bedeutung der Präventionsarbeit in der Gynäkologie und Pädiatrie für die Gesundheitsstruktur der Gesellschaft und der interdisziplinären medizinischen Patientenbetreuung heraus.

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