Feinstaub und Diabetes – Die Luft macht’s?

In den umwelt- und gesundheitspolitischen Debatten der letzten Jahre wurde die Feinstaubbelastung durch den motorisierten Straßenverkehr in den Innenstädten, durch den Braunkohlebergbau im Rheinischen Revier und der Lausitz oder auch durch die Binnenschifffahrt immer wieder thematisiert und prägt nach wie vor den öffentlichen Diskurs. Die Feinstaubbelastung, ein zivilisatorisches Problem, ist dem globalen Eintrag an verschiedenen Anthropogenen geschuldet. Hierbei stehen ultrafeine Stäube und Nanopartikel, mit einer Größe < 100 nm in städtischen Gebieten im Fokus.

Frau Dr. Tamara Schikowski vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf stellte die Luftverschmutzung als Auslöser des Diabetes vor. Dabei assoziierte die SALIA-Kohorte (Study on the Influence of Air pollution on lung function, Inflammation and Ageing) inzidenten Diabetes mit der Langzeit-Partikelbelastung der Partikelgröße PM10, Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser < 10 µm. Die vorgestellte KORA-Studie (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) zeigte den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und einem steigenden Risiko einer Insulinresistenz, als Vorstufe von Typ-2-Diabetes zu entwickeln auf. Insbesondere prädiabetische Probanden mit einem gestörten Glukosestoffwechsel zeigten signifikante Veränderungen in den erhobenen Blutparametern. Das zeigte eindringlich, dass die Entstehung eines Diabetes Mellitus nicht nur von Lebenswandel und genetischer Prädisposition sondern auch von Risikofaktoren wie Luftverschmutzung abhängig sein kann.

Frau Dr. Schikowski stellte verständlich dar, dass Luftschadstoffe nach Inhalation in den Blutkreislauf gelangen und dann diverse organspezifische Effekte hervorrufen können. Dabei werden inflammatorische und neuronal homöostatische Mechanismen der peripheren Insulinresistenz diskutiert.

Anhand der zwei vorgestellten großen Kohorten wird ersichtlich, dass die Feinstaubbelastung einen möglichen Risikofaktor für Typ-2-Diabetes darstellt und als Ursache weiter im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen stehen sollte. Diese Verknüpfung bleibt spannend und zeigt einmal mehr, wie wichtig ein integrativer Forschungsansatz ist, der die komplexen Zusammenhänge der Diabeteserkrankung  erforscht und aufklärt.

Moritz Liebmann

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