Entscheiden für oder durch die Ernährung?

Glauben Sie, dass Ihre Ernährung Ihre Entscheidungen beeinflusst? Genau diese Frage stellten Bellucci et al. einer Reihe gesunder Probanden. Der überwiegende Konsens war „eher nicht“, wohingegen der gesundheitliche Einfluss der Ernährung weniger in Frage gestellt wurde. Doch was ist dran an der Theorie der Willensbeeinflussung durch Nahrung? In Ihrem Vortrag „Ernährung beeinflusst die Psyche und das Gehirn“ brachte S.Y. Park etwas Licht in das Dunkel eines bisher wenig untersuchten Forschungsgebiets.

Wir alle kennen es, unser geheimes „Hunger-Ich“. Die Version unserer selbst, die etwas schneller gereizt, wenig kompromissbereit und ungeduldig ist. Oder um es mit den Worten der Snickers Webung zu sagen „du bist nicht du, wenn du hungring bist“. Woran das Ganze liegt und wie sehr wir uns wirklich verändern, fragte sich auch die Arbeitsgruppe von Frau Park und untersuchte die Selbstkontrolle von gesunden sowie übergewichtigen Probanden in einem eu-, und einem hypoglykämischen Zustand. Überraschenderweise zeigte keine der Gruppen eine wesentliche Beeinflussung durch den Blutzuckerspiegel.

Es stellt sich allerdings nicht nur die Frage, wie wirkt sich essen oder nicht essen auf unsere Psyche aus, sondern auch: Wie wirkt sich aus, was wir essen? Ganz nach dem Motto „du bist, was du isst“. Die Makronährstoffzusammensetzung spielt voraussichtlich eine entscheidende Rolle für unser Verhalten. So konnte durch eine rondomisierte Feldstudie gezeigt werden, dass Personen, die ein proteinreiches Frühstück zu sich genommen hatten und anschließend im Rahmen der Studie soziale Entscheidungen treffen mussten, mehr Geduld bewiesen. Dieser Effekt wird auf die Aminosäure Tyrosin zurückgeführt, welche vornehmlich in Proteinen enthalten ist und die Bluthirnschranke überwinden kann, um dort zu dem Botenstoff Dopamin umgewandelt zu werden. In einem zweiten Studienabschnitt gaben Strang et al. einer Probandengruppe ein kohlenhydratreiches, proteinarmes und einer weiteren Gruppe ein proteinreiches, kohlenhydratarmes Frühstück und testeten anschließend das Plasma-Tyrosinlevel und inwieweit die Testpersonen auf unfaire Angebote reagierten. Jene, die zuvor weniger Protein in ihrer Mahlzeit erhalten hatten, zeigten dementsprechend geringere Tyrosinlevel und wiesen unfaire Angebote eher ab. Doch nicht nur unseren Entscheidungen oder Bewertungen werden durch unsere Ernähung beeinflusst. In einer weiteren Studie konnten Bellucci et al. zeigen, dass ein proteinreiches, kohlenhydratarmes Frühstück im Gegensatz zu einem kohlenhydratreichen, proteinarmen Frühstück Vorteile in Bezug auf das Lernverhalten bietet.

Durch den spannenden Vortrag von Frau Park wurden viele Fragen beantwortet, aber auch tausende neue Fragen hervorgerufen. Wie viel „Selbst“ steckt in uns und wie viel in unserem Frühstück? Macht mich mein Jogurt zu einem besseren Menschen? Hilft mir ein Brötchen auch mal „Nein“ zu sagen?

Machen Sie doch einfach mal selbst den Test! Vielleicht sind sie schon nach Ihrem heutigen Frühstück ein ganz Anderer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.