Empagliflozin – der neue Vorzeige-Wirkstoff im Antidiabetika-Regal?

Lisa Ströhlein, DDG Pressestelle

Mit großem Interesse erwarteten die Teilnehmer des Europäischen Diabeteskongresses in Stockholm (EASD) die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME Studie. In dieser wurde die kardiovaskuläre Verträglichkeit von Empagliflozin – dem neuen Wirkstoff aus der Klasse der SGLT2-Hemmer – getestet.

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Quelle: Fotolia/robotcity

SGLT2-Hemmer sind Medikamente zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Sie bewirken eine vermehrte Ausscheidung von Glukose über den Urin und senken so den Blutzuckerspiegel. Bereits am 21. August hatten die Herstellerfirmen Lilly und Boehringer Ingelheim bekannt gegeben, dass das Ergebnis mit Empagliflozin sehr gut ausgefallen sei. Dies bewahrheitete sich in der Präsentation von Professor Silvio Inzucchi aus New Haven, für die es mehrere Runden spontanen Beifall gab.

Selbst bei konsequenter Senkung des Blutzuckers ließ sich ein erhöhtes Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse bei Menschen mit Diabetes bisher nicht vermeiden. Die amerikanische Arzneimittel-Agentur FDA verlangt deshalb, alle neuen Diabetes-Medikamente im Rahmen des Zulassungsverfahrens darauf zu prüfen, ob sie hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen schaden. Die Ergebnisse der Endpunkt-Studie zeigen nun, dass Empagliflozin nicht nur sicher ist, sondern die Patienten gar schützt: Während eines Beobachtungszeitraums von 3,1 Jahren verringerte Empagliflozin die Gesamtsterblichkeit um 32 Prozent, die kardiovaskulären Todesfälle um 38 Prozent und die Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz um 35 Prozent. Getestet wurden rund 7000 Patienten mit hohem Risiko für Herzattacken und Schlaganfälle. Sie erhielten etwa 2,6 Jahre lang 10 oder 25 mg Empagliflozin zusätzlich zu einer Standard-Therapie mit Statinen und blutdrucksenkenden Medikamenten.

Damit ist Empagliflozin nach Metformin erst das zweite Diabetesmittel, für das eine Überlegenheit bezüglich kardiovaskulärer Endpunkte belegt werden konnte. Vermutlich hängt der günstige Effekt mit dem multimodalen Wirkmechanismus von Empagliflozin zusammen: Blutdrucksenkung, Gewichtsreduktion, Senkung der Harnsäure, Verringerung des Bauchumfangs und eine gewisse entwässernde Wirkung. Dies reiche allerdings nicht aus um die Ergebnisse zu erklären, gab auch Inzucchi zu. Das Risiko für nicht lebensbedrohliche Herzinfarkte und Schlaganfälle sank unter Empagliflozin nämlich nicht.

Die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME Studie sind erfreulich, zeigen aber auch, dass es in der Diabetes-Therapie immer noch viele Fragen gibt, die wir mit unserem bisherigen Wissenstand nicht beantworten können.

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