Ein Tag in Gießen

Der BVMD (Vorsicht – Verwechslungsgefahr mit dem diabetologischen BVND (Niedergelassene Diabetologen) ist die „Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland“ und veranstaltet jedes Jahr einen Kongress für Medizinstudenten. Mit Vorträgen, Workshops, Networking und auch einer kleinen Messe mit Infoständen ist dieser gar nicht so verschieden vom Diabetes Kongress – nur einige Hausnummern kleiner und eben für Studenten und nicht für „fertige“ Ärzte und Wissenschaftler. 

Was hat das Ganze jetzt mit Diabetes zu tun und warum entsteht hier ein Blogpost zu diesem Thema? Gute Frage! 

Die Kongressorganisation kontaktierte die DDG und bat um Sponsoring. Im Gegenzug durfte die DDG bei den Studenten Werbung in eigener Sache machen: Eine Win-Win-Situation. So kam es, dass ein Workshop und ein DDG-Stand in Gießen geplant wurden.

Kurz vor dem Kongress kamen dann die ersten Sorgen auf: 8 Workshops mussten aufgrund von mangelnder Teilnehmerzahl abgesagt werden – darunter auch der zum Thema Diabetes. Wenn ich ehrlich bin, erwartete ich dementsprechend wenig Begeisterung von den Studenten und stellte mich auf einen langen Tag ein.

Als es dann soweit war, traf ich mich mit Steffi Rudloff aus der Geschäftsstelle. Wir waren beide bereit, das Beste aus der düster aussehenden Situation zu machen, bereiteten unseren „Goodie“-Tisch vor und ließen den Start des „Marktes der Möglichkeiten“ auf uns zukommen.

Nach dem Startschuss um 15 Uhr wurden wir dann gründlich überrascht: Eine kaum enden wollende Flut von Studenten kam zu uns an den Stand!

Fast alle ließen sich begeistert über das Mentoring-Programm der DDG aufklären und nahmen nicht nur unsere Goodies mit, sondern gerne auch Flyer zur (für Studenten kostenlosen) DDG-Mitgliedschaft und zum kommenden Kongress im Mai 2020.

Natürlich gab es auch ein paar dazwischen geschmuggelte zukünftige Unfallchirurgen, die einfach nur einen Bleistift und das Kartenspiel der diabetes zeitung absahnen wollten, aber so ist das eben… wir hatten ja auch genug für alle mitgebracht.

Woher kommt die Diskrepanz? Wenig Studenten, die bereit sind, sich für einen Workshop anzumelden, aber generell vorhandenes Interesse und beinahe Unglauben und darauffolgende Begeisterung, nachdem die Studenten von der Nachwuchsförderung der DDG erfahren? Die Antwort ist leicht: Die Diabetologie hat immer noch ein Image-Problem an den Unis!

Jeder Student weiß, dass Diabetes wichtig ist…. und lässt es darauf beruhen. Fast niemand kommt gezielt zu unserem Stand, aber alle merken, dass wir für dieses tolle Querschnittsfach brennen. Daher sind viele bereit, sich von uns anstecken zu lassen und hören uns gerne zu.

Zweitens wurde nicht nur der Diabetes-Workshop durch mangelnde Teilnahme abgesagt… Die Konkurrenz auf dem Kongress war einfach zu groß: Für Studenten sind primär studentische Themen relevant und die Assistenzarztzeit scheint für die meisten sehr weit weg. Nur wenige wissen vor ihrem PJ, welchen Facharzt sie irgendwann einmal anstreben werden.

Was ist nun für die Zukunft zu tun? 

Das Image der Diabetologie verbessert sich. Leider geschieht dies nur langsam. Unser Problem ist immer noch real, und der Nachwuchsmangel ist noch nicht besiegt. Die DDG ist auf dem besten Weg, die Weichen in eine bessere Richtung zu stellen, doch es ist besonders an den Unis noch viel zu tun, um das Image der Diabetologie wieder aus dem Graben zu ziehen in dem es sich befindet.

Micha Kortemeier

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