Ein kleiner Meilenstein: Zelltransplantationen zur Heilung von Diabetes Typ 1

Von Tobias Baumgartner

Durch Zufall habe ich in dieser Woche in einer Nachrichtensendung gehört, was für die Zukunft der Diabetologie ein kleiner Meilenstein sein könnte: Das Diabetes Research Institute (DRI) in Miami hat letze Woche bekanntgegeben, dass eine Patientin mit Typ-1- Diabetes nach einer Transplantation von Inselzellen völlig auf ihre Insulin-Behandlung verzichten könne.

Löffel mit Traubenzucker und Spritze

Quelle: Fotolia/Picasa 2.7



Wendy Peacock war 17, als sie die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 erhielt. Seitdem musste sie ihr Leben nach engen Zeitplänen gestalten und streng auf ihre Medikation und Ernährung achten. Im Zuge ihrer Erkrankung musste sie immer wieder mit schweren Hypoglykämien kämpfen, die ihr Leben stark einschränkten.  Im August 2015 unterzog sich Wendy Peacock einem minimal-invasiven Eingriff, bei dem erstmal eine neue Transplantationstechnik für Inselzellen zum Einsatz kam. Seitdem produziert ihr zum ersten Mal seit ihrer Diagnose eigenes Insulin und soll von nun an auf Injektionen verzichten können.

An der Universität von Miami wird an der Konstruktion sogenannter ,,DRI BioHubs“ gearbeitet. Diese sollen die Funktion des Pankreas nachahmen und die Insulin-Produktion übernehmen. Das Besondere an der neuen Transplantationstechnik ist es, dass die Zellen in die Oberfläche des Omentums implantiert werden. Das Omentum ist ein stark durchblutetes Gewebe, das die Organe des Abdominalraums bedeckt. Bisherige Transplantationsversuche fanden meist in Lebergewebe statt, wobei hier häufig eine Entzündungsreaktion erfolgte, die das Sterben der implantierten Zellen förderte.

Die Inselzellen werden in einem Komplex aus eigenem Plasma des Patienten und Thrombin eingesetzt – dadurch werden die Zellen wie ein Gel an das Omentum fixiert. Über die Zeit wird dieses Gel dann absorbiert und die Versorgung und Erhaltung der implantierten Zellen durch den Körper wird aktiv gefördert.

„Diabetes-Sensation“ titelte der Berliner Kurier, „Nie wieder Insulin“ heißt es auf Facebook. Fest steht: Die Daten und das Glucose-Profil von Wendy Peacock sind die besten, die bislang nach einer Transplantation von Inselzellen beobachtet wurden. Noch ist aber nicht klar, wie lange die Inselzellen in ihrem Körper überleben und ob die Insulin-Produktion langfristig ausreicht oder ob eventuell doch noch Medikamente zum Einsatz kommen müssen. Ärzte sollten ihre Patienten darauf hinweisen, dass die lang herbeigesehnte Heilung noch auf sich warten lässt. Dennoch bleibt der Fall Peacock ein Meilenstein, wenn auch ein kleiner.

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