Distress und Depression – Wer ist betroffen und welche Folgen und Möglichkeiten ergeben sich für die Zukunft?

Die Psyche spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Diabetes und auch in der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes. Insbesondere das Vorliegen einer manifesten Depression und diabetesbezogenen Belastungen, die mit dem chronischen Krankheitsverlauf einhergehen (Diabetes Distress) stellen Risikofaktoren für Komplikationen und früheres Versterben dar.

Eine Auswertung der prospektiven Heinz-Nixdorf-Recall-Studie mit 10-jahres Follow-up zeigte ein erhöhtes Chancenverhältnis (Odds Ratio) für Depression bei Menschen mit bekanntem Diabetes gegenüber Menschen ohne Diabetes – jedoch schloss das Konfidenzintervall die 1 („Nulleffekt“) ein und erreichte somit keine statistische Signifikanz. Bei Männern mit Diabetes war das Chancenverhältnis für Depression gegenüber Frauen erhöht – Gründe hierfür bedürfen weiterer Forschung.

Menschen, bei denen sowohl ein Typ-2-Diabetes als auch eine manifeste Depression vorliegt haben ein schlechteres Selbstmanagement, Medikamenten-Adhärenz und schlechtere glykämische Kontrolle. Dies führt zu einem höheren Risiko für mikro- und makrovaskuläre Komplikationen und höheren Kosten im Gesundheitswesen. Ein weiterer wichtiger Punkt, den es weiter zu untersuchen gilt ist der Faktor „Alter“. Die Analyse der English Longitudinal Study of Ageing zeigte, dass die Diagnose Diabetes nur dann mit erhöhten depressiven Symptomen assoziiert war, wenn die Personen zwischen 52 – 64 Jahre alt waren, jedoch nicht bei Menschen >65 Jahren.

Was ist also zu tun bei Menschen mit Typ-2-Diabetes?

Zur Vermeidung bzw. Verminderung von Diabetes Distress ist es wichtig, die persönlichen Ressourcen zum Umgang mit der Erkrankung zu stärken. Dazu zählen u.a. die Stärkung der Bewältigungskompetenz, die Fähigkeit gedankliche Automatismen zu durchbrechen und die Erhöhung der Diabeteskompetenz. Alle diese Aspekte zielen auf zwei wichtige Punkte ab: Zeit für den Patienten finden und die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern.

Hier sind alle gefordert: Allen voran die Politik, um die Zeit der niedergelassenen Ärzte entsprechend zu honorieren und evaluierte effektive Weiterbildungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Weiterhin aber auch die Ärzte, die auf den Patienten individuell eingehen und sich die Zeit nehmen müssen. Nicht zuletzt müssen aber auch die Forscher weiterhin exzellente Forschung betreiben – ob es um Ursachenforschung oder die Evaluation von Interventionen geht. Wir sind auf einem guten Weg!

Esther Jacobs

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