Die Pneumokokkenpneumonie – eine Risikoerkrankung bei erhöhtem Blutzuckerspiegel?!

25. Mai 2017, kurz vor 11 Uhr im Sitzungssaal „Pfeiffer“, Halle A1. Prof. H. Becker aus Hamburg beginnt seinen Vortrag zum Thema „Ambulant erworbene Pneumonie bei Diabetes“ mit einem Fallbeispiel, das aufhorchen lässt…

Fallbeispiel
Eine junge Dame (jung für das sonstige Patientenklientel einer internistischen Abteilung), bei der seit Kurzem ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt ist, stellt sich mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands und hohem Fieber in der Notaufnahme vor. Ein durchgeführtes Thoraxröntgen zeigt schnell eine Pneumonie, der klinische Verlauf ist jedoch unerwartet dramatisch. Es kommt zu einer weiteren Zustandsverschlechterung. Die Patientin wird auf die Intensivstation verbracht, künstlich beatmet und kann schließlich unter einer breiten antibiotischen Therapie sowie Volumen- und Katecholamingabe langsam stabilisiert werden. Nach weiteren Komplikationen (unter anderem eine Herpes Simplex-Pneumonie, eine Kathetersepsis und eine Critical Illness-Polyneuropathie) kann die Patientin nach 57 Tagen in der Klinik in eine Rehabilitationseinrichung verlegt werden.

Das Risiko Pneumonie
Nach den gezeigten Daten wird deutlich: Ein diagnostizierter Diabetes mellitus alleine ist bereits ein Risikofaktor für einen schweren Pneumonieverlauf. Vor allem die invasiven Pneumokokkenspezies führen bei Diabetikern besonders oft zu schweren Verläufen. Sie neigen zu rezidivierenden Hyper- und Hypoglykämien, entwickeln oft eine ausgeprägte Exsikkose mit prärenalem Nierenversagen und neigen zu weiteren schwerwiegenden Komplikationen.

Abgeleitet aus dem CAP-Netz für ambulant erworbene Lungenentzündungen lässt sich folgendes zum relativen Mortalitätsrisiko bei Pneumonie sagen: Nicht etwa eine Atemwegserkrankung (Odds Ratio ca. 1,25) ist ein größerer Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang, wohl aber ein vorliegender Diabetes mellitus (OR ca. 2,75), gefolgt von einer Herzinsuffizienz (OR ca. 3,5). Der schwerwiegendste Risikofaktor ist jedoch den Daten zufolge ein schlecht eingestellter Blutzucker von > 250 mg/dl (OR ca. 6,0).
Die oben genannte Patientin hatte ihre Diabetesmedikation bei schlechter Verträglichkeit einige Zeit vor Aufnahme in die Klinik eigenständig abgesetzt.
Ein zweites Fallbeispiel von Prof. Becker erzählt eine ähnliche Geschichte.

Fazit
Die Gefahr einer Pneumonie eines Diabetikers wird im Klinikalltag oft unterschätzt. Wie viele Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes kommen täglich in unsere Notaufnahmen und werden mit einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär aufgenommen. Fälle wie die von Herrn Prof. Becker sollten uns genau hinschauen lassen, um nichts zu verpassen!

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