Die Paul-Langerhans-Vorlesung 2015

Von Christina H.

Die Epigenetik findet eher selten einen Weg in die Hausarztpraxis, in der ich arbeite. Wenn doch, dann klopft sie leise an, setzt sich auf den Besucherstuhl und sieht mich fragend an:

„Ob ich mir wohl nie überlegt hätte, was passiert, wenn meine Patienten hier und da meinen Rat befolgen und anfangen, sich zu bewegen?“. „Sie verfluchen mich? Sie müssen danach zum Orthopäden? Wechseln sie womöglich den Hausarzt? Sie decken sich zunächst mit neuen Sportsachen ein?“ „Nicht ganz. Nicht nur, jedenfalls. Das Zauberwort lautet Methylierung. Jede einzelne Sporteinheit verändert unsere Genexpressionsmuster. Individuell unterschiedlich versteht sich.“

Ein faszinierender Gedanke. Beruhigend. Womöglich merkt sich der Körper doch jede Runde, die wir uns schwitzend um innerdeutsche Binnengewässer schleppen. Darüberhinaus eine Erklärung für den unterschiedlichen Effekt, den Sport bei verschiedenen Menschen hat? Vielleicht.

Professor Juleen Zierath, Preisträgerin der diesjährigen Paul-Langerhans-Medaille, verleiht der Epigenetik ein beeindruckendes, fast magisches Gesicht ohne Scheu vor dem Praxistest.

Epigenetische Veränderungen – ein verheißungsvolles Erklärungmodell für die individuell unterschiedliche Reaktion unserer Patienten auf Präventionsmaßnahmen und Umwelteinflüsse.

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