Diagnose Diabetes – „Ist doch nichts dabei!“

„Diabetes und Depression – immer noch eine unheilvolle Kombination“ – unter diesem Titel wurden die diesjährigen Beiträge zum Thema Depression als eine sehr häufig vorkommende Komorbidität des Diabetes vorgestellt. Herr Dr. Bernhard Kulzer formulierte in meinen Augen sehr treffend, dass betroffene Patienten häufig medizinisch eingestellt und im Anschluss mit ihrer Diagnose auf sich allein gestellt in den Alltag entlassen werden. Was hierbei leider immer noch zu sehr in den Hintergrund rückt, jedoch sehr präsent ist, sind die psychosozialen Belastungen rund um die Diagnose Diabetes, die viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen.

Deshalb präsentierte Herr Dr. Kulzer seine Take-Home-Message bereits im ersten Teil seines Vortrags. Über verschiedene Studien hinweg wurde deutlich, dass jeder 4. Diabetespatient in der ambulanten Praxis erhöhte Belastungswerte bezüglich der Erkrankung (Diabetes Distress) sowie jeder 8. bis 10. Patient eine klinische Depression aufweist. Diese psychischen Komorbiditäten nehmen nicht nur negativen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden der Patienten, sondern haben zudem negative Auswirkungen auf die glykämische Kontrolle sowie das Diabetes-Outcome. Hier zeigen einige Studien, dass der Diabetes Distress bzw. die krankheitsbezogenen Belastungen im Vergleich zur komorbiden Depression einen höheren Einfluss auf Faktoren wie den HbA1c haben.

Daran wird deutlich, dass in der klinischen Praxis das psychische Befinden der Patienten sowie deren Belastungen regelmäßig untersucht werden müssen, wie es auch in den S3-Leitlinien gefordert wird. In diesen wird empfohlen, den „WHO-5 zum Wohlbefinden“ anzuwenden und bei etwaigen Auffälligkeiten ein diagnostisches Interview (bspw. von einem spezialisierten Psychologen) durchführen zu lassen, um psychische Belastungen rechtzeitig zu erkennen und diese zu behandeln.

Saskia Fischer

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