Diabulimie – ein Kolibri unter den Essstörungen?

Bei der Diabulimie handelt es sich um ein komplexes psychiatrisch-endokrinologisches Krankheitsbild. Insbesondere junge Mädchen, die im – ohnehin sehr fragilen — Pubertätsalter mit der Diagnose eines Typ-1-Diabetes und mit der damit verbundenen Notwendigkeit der Stoffwechselkontrolle konfrontiert werden, zeigen eine Neigung, die mit der Insulintherapie einhergehende Gewichtszunahme umgehen zu wollen („Insulin-purging“= IP).

Ähnlich einer Bulimie, bei der eine Gewichtsreduktion mitunter durch selbstinduziertes Erbrechen nach Heißhungerattacken erzielt wird, wird bei der Diabulimie auf eine hypoglykämische Heißhungerphase mit dem Auslassen der (meist abendlichen) Insulindosis reagiert. Die kosekutive Glukosurie bewirkt mitunter eine massive Gewichtsreduktion („Erbrechen über die Niere“).

Die Therapie einer Diabulimie gestaltet sich als äußerst schwierig, da eine reine Psychoedukation in der Regel nicht ausreichend ist. Neben der Behandlung der Essstörung ist außerdem eine funktionierende Diabetestherapie von Nöten; leider finden sich bislang (noch) keine etablierten interdisziplinären Behandlungskonzepte.

Generell gilt, dass neben einer globalen Selbstwertproblematik auch verschiedene Persönlichkeitsakzentuierungen Risikofaktoren für die Entwicklung einer Essstörung darstellen. So führt ein hohes Perfektionsstreben eher zu einer Anorexie oder IP. Auch Borderline-Züge werden mit IP assoziiert.

Auch Typ-2-Diabetikern neigen zu Essstörungen: Hier findet sich aber eher ein Binge-Eating-Syndrom.

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