Diabetes – Unterschiede zwischen Mann und Frau

In der heutigen Zeit gibt es immer wieder Diskussionen über Gender im sozialen, kulturellen, politischen und biologischen Kontext. Über das richtige Maß dieses Gender-Mainstreamings lässt sich streiten. Wo das Geschlecht aber definitiv eine bis zu lebenswichtige Rolle spielt, ist die Medizin und stellvertretend dafür der Diabetes mellitus.

Schon bei der Diagnostik gibt es Unterschiede: Frauen weisen öfter eine gestörte Glukosetoleranz auf, sodass bei Ihnen nur ein oraler Glukose-Toleranz-Test bei möglicherweise unauffälligem HbA1c aussagekräftig ist.

Komorbiditäten erwiesen sich auch als geschlechtsspezifisch. Frauen mit Diabetes mellitus erkranken häufiger an Adipositas und Depressionen, da sie empfindlicher auf psychosozialen Stress reagieren. Bei Männern ist der Diabetes eher mit Suchterkrankungen, Nikotinabusus und chronischer Herzkrankheit assoziiert. Die Hypertonie unterliegt einem gender switch von Männern im jungen zu Frauen in fortgeschrittenem Alter. Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang das deutlich erhöhte Sterberisiko von Frauen bei gleichzeitigem Vorliegen von Diabetes und koronarer Herzkrankheit, das unbedingt der gesteigerten ärztlichen Aufmerksamkeit bedarf.

Weiterhin ist als erste Stufe der Diabetestherapie die Lifestyleoptimierung auch an das Geschlecht anzupassen. Frauen erreichen ein besseres Ergebnis mit Bewegung, während für Männer eine gesündere Ernährung zielbringender ist. Auch die medikamentöse Therapie sollte immer überprüft werden, da sich spezifische Nebenwirkungen und potenzielle Wechselwirkungen je nach Geschlecht, Körpergewicht, Alter und Hormonstatus unterscheiden.

Bei Frauen muss außerdem auf die jeweilige aktuelle Reproduktionsgeschichte eingegangen werden. Man denke nur an den Schwangerschaftsdiabetes und die Postmenopause mit ihren speziellen hormonellen Veränderungen.

In dem äußerst interessanten Vortrag von Frau Prof. Dr. A. Kautzky-Willer wurden viele wichtige Aspekte im ärztlichen Alltag beleuchtet und zumindest für mich ein Anstoß gegeben, zukünftige Patienten immer nach möglichst aktuellem Wissenstand optimal und individuell zu behandeln und dabei auch das Geschlecht nicht außer Acht zu lassen.

Theresa Theilig

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