Diabetes-Technologie auf dem Vormarsch – Ein wenig Skepsis ist angebracht

Die Diabetes-Technologie, insbesondere die neuerliche Verfügbarkeit von neuen AID-Systemen, war ein großes Thema auf der diesjährigen Herbsttagung der DDG. So wurden die Eigenschaften und angeblichen Vorzüge der neuen AID-Systeme in mehreren Vorträgen vorgestellt. Da diese nun die Basalrate und Abgabe von Korrekturboli automatisch steuern, ist dies sicherlich als ein Meilenstein zur „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ anzusehen. Meiner Meinung nach sollte hier jedoch etwas Skepsis an den Tag gelegt werden.

Die AID Systeme stützen sich zunehmend auf die Daten von CGM-Systemen. Dadurch wird deren Genauigkeit ein immer wichtigeres Thema, das in der Sitzung „Technologie auf dem Weg in die Zukunft“ angesprochen wurde. Insbesondere wurde thematisiert, dass es für CGM-Systeme, im Gegensatz zu normalen Blutzuckermessgeräten, keinen internationalen Standard zur Zulassung gibt.

In anderen Sitzungen wurde angemerkt, dass die Schulung von Betroffenen, Ärztinnen und Ärzten sowie Diabetes-Fachpersonal im Umgang mit AID-Systemen eine sehr wichtige Rolle spielen wird, was meiner Meinung nach eine große Aufgabe ist. Weiterhin gibt es von den Herstellern nur wenige Informationen zur Funktionsweise der Algorithmen. Dazu stellt sich aus Patientensicht die Frage, ob man die Steuerung des Blutzuckers einer „Black Box“, also einem unbekannten System, anvertrauen möchte.

Bei diesem Thema sind die in der Sitzung „Diabetestechnologien auf dem Prüfstand – Digitalisierung, Apps, Closed Loop“ angesprochenen Closed-Loop-Systeme deutlich im Vorteil, da die angewandten Algorithmen transparent zugänglich sind. Was ich bei diesem Thema und insbesondere beim Vortrag zum OPEN-Projekt jedoch vermisst habe ist, dass diese Systeme nach meiner Auffassung alles andere als benutzerfreundlich sind und ein erheblicher Aufwand und Wissen für deren Betreibung notwendig ist.

Zu einem anderen Thema, die nicht-invasive Glukosemessung, gab es auch eine Sitzung. Hier wurde zu Recht kritisiert, dass es in den letzten Jahren immer wieder öffentliche Ankündigungen gab, die letztendlich unerfüllt blieben, was zu Enttäuschungen auf Patientenseite geführt hat. Hier sollten die Erwartungen meiner Meinung nach sehr niedrig angesetzt werden, da es bis zur Entwicklung eines marktreifen und zuverlässigen Messsystems noch ein sehr weiter Weg ist.

Die Weiterentwicklung von Technik wird sicherlich auch in Zukunft einen großen Einfluss auf die Diabetesbehandlung haben. Ich plädiere allerdings dennoch dafür, etwas Skepsis gegenüber neuen Entwicklungen und Ankündigen aufzubringen.

Manuel Eichenlaub

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