Diabetes mellitus: Depression und Diabetes Distress

Depression ist eine häufige Komorbidität des Diabetes mellitus: Sie geht mit einer schlechteren Lebensqualität, höheren Gesundheitskosten, einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von diabetesbezogenen Komplikationen und erhöhten Mortalitätsraten einher. Der Vortrag hatte das Motto „Depression und Diabetes – Immer noch eine unheilvolle Kombination“.

Inzidenz einer Depression bei Diabetes Mellitus
Die Heinz-Nixdorf-Recall Studie untersuchte das 10-Jahres-Risiko bei Menschen mit Diabetes (diagnostiziert und nicht diagnostiziert) eine Depression zu entwickeln – verglichen mit Menschen ohne Diabetes. Erklärungsansätze für Komorbidität und longitudinale Studien sind selten, oft mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die Ergebnisse der Studie liegen zwar mittlerweile vor, müssen aber noch weiter diskutiert werden. Es scheint allerdings keine erhöhte Inzidenz gegenüber Menschen ohne Diabetes bei baseline zu geben – interessant: dieser Effekt ist bei Männern möglicherweise ausgeprägter.

Verschlechtern Depressionen und erhöhter Distress die Prognose des Diabetes?
Depressivität besitzt einen starken Einfluss auf die inzidente Diabetes – Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) allerdings begünstigt die Entstehung einer Depression nur in geringerem Maße (besonders bei Menschen >65 Jahren hat der Diabetes geringere Einflüsse). Eine Take away message des Vortrags: klinisches Bild, langfristiger Verlauf und Komplikationen werden signifikant durch psychologische Faktoren beeinflusst. Eine Depression bei T2DM ist mit selbstschädigen Verhaltensweisen und mangelnder Compliance (schlechtere glykämische Kontrolle, geringere körperliche Aktivität, geringere Diabetes-Selbstversorgung…) assoziiert.

„Wie erfolgreich sind Interventionen bei Depression und Diabetes Distress?“
Depressionen kommen bei Menschen mit Diabetes häufiger vor. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Diabetes Distress und klinischer Depression – wichtig daher: unterschiedliche Interventionen.
Diabetes Distress ist zunächst eine Reaktion auf den Diabetes – dieser wird als Bedrohung wahrgenommen, auch die Bewältigung wirkt bedrohlich. Hauptsymptome einer Depression dagegen sind Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und der Verlust von Interesse und Freude. Eine Depression sollte durch Psychotherapie (kognitive Umstrukturierung und Aktivitätsaufbau) und Antidepressiva behandelt werden. Diabetes Distress hingegen kann in einem diabetologischen Setting adressiert werden – hier können durch Schulungen und Coaching wahrgenommene Stressoren reduziert und Ressourcen gestärkt werden.

Prävention von Diabetes Distress und Depression
Ein erhöhter Distress scheint ein Risikofaktor für das Auftreten und Fortbestehen einer Depression zu sein. Aber auch eine erhöhte Depressivität scheint dafür verantwortlich zu sein, dass der Diabetes (oder seine Therapie) als belastender empfunden wird. Sinnvolle Interventionsprogramme stehen zur Verfügung – Diabetesschulungen bei Diabetes Distress scheinen den HbA1c-Wert zu verbessern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.