Diabetes Distress und Geschlechterunterschied – Wer ist besonders gefährdet?

Geschlechterunterschiede bei Diabetes mellitus – dies war eines der Themen-Schwerpunkte des diesjährigen Diabetes-Kongresses in Berlin. Und so ist Prof. Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer von der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim in einem spannenden Vortrag auf die Geschlechterunterschiede bei psychischen Erkrankungen und Belastungen bei Diabetes eingegangen. 

Depressionen, Angst- und Essstörungen – dies sind einige psychischen Störungen, deren Prävalenz bei Frauen im Allgemeinen höher ist. Auch das Risiko für Folgeerkrankungen und eine höhere Sterblichkeit auf dem Boden eines Diabetes ist beim weiblichen Geschlecht erhöht. 

Infolgedessen widmete Prof. Dr. Kulzer sich folgender Frage: Gibt es auch bei Diabetes Distress Geschlechterunterschiede? 

Hierfür präsentierte er ein aussagekräftiges Bild: So hätten laut Fisher et al. Frauen ein 4-fach höheres Risiko erhöhten Diabetes Distress zu entwickeln und das weibliche Geschlecht sei der stärkste Prädiktor für eben jenes [Fisher et al., Diabet Med 2009]. Auch der zeitliche Verlauf wurde bedacht. In einer eigenen Studie konnte bestätigt werden, dass Frauen auch über 6 Monate hinweg ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für die Persistenz von erhöhtem Diabetes Distress besitzen [Ehrmann et al., Diabet Med 2015]. Und auch über 18 Monate konnte das weibliche Geschlecht als Risikofaktor bestätigt werden [Fisher et al., Diabet Med 2008]. Allerdings sei diese Belastung in der Kindheit höher als bei Beginn im Erwachsenenalter [Lasaite et al., J Diabetes Complications 2016].

Ein Blick auf die Prävalenz von psychischen Erkrankungen bei Diabetes mellitus konnte für affektive Störungen und Angststörungen ebenfalls ein höheres Risiko für das weibliche Geschlecht zeigen [Hermanns et al., Diabet Med 2005].

Zusammenfassend konnte in diesem interessanten Vortrag also festgestellt werden, dass bei Frauen erhöhte diabetesbezogene Belastungen und vermehrt psychische Erkrankungen bei Diabetes gefunden werden können; die ätiologischen Gründe aber noch nicht in ihrer Gänze verstanden sind und weiterer Forschung in diesem Gebiet bedürfen. 

Malin Fromme 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.