Diabetes bei Kindern mit Migrationshintergrund – gleiche Behandlung, gleiche Ergebnisse?

Der Vortrag von Dr. Nicole Prinz handelte von Unterschieden zwischen Diabetespatienten mit und ohne Migrationshintergrund. In dieser Sitzung wurde sowohl auf Behandlungsunterschiede als auch auf Unterschiede bzgl. des Behandlungserfolgs eingegangen. Hierbei wurden nicht nur Daten des DPV-Registers vorgestellt, sondern auch sehr interessante Daten aus Skandinavien.

Türkische Frauen mit Kopftüchern

Fotolia/Mumpitz

Die DPV-Daten zeigten zum Beispiel, dass die Insulinpumpe bei Patienten mit Migrationshintergrund seltener angewendet wird, als bei Patienten ohne Migrationshintergrund. Bei türkischstämmigen Patienten war der Pumpenanteil noch seltener, wenn sich der Diabetes bereits im Heimatland manifestiert hat. Auch bei Betrachtung akuter Diabeteskomplikationen, wie das Auftreten von Hypoglykämien oder der diabetischen Ketoazidose (DKA), zeigten sich beeindruckende Unterschiede. Hier wurde aber auch deutlich, dass man Patienten mit Migrationshintergrund nicht über einen Kamm scheren darf. Während bei Patienten aus Osteuropa deutlich häufiger Hypos auftraten als bei Patienten ohne Migrationshintergrund, wiesen Patienten aus der Türkei oder Südeuropa weniger Hypos auf.  Auch bei der DKA zeigte sich kein einheitliches Bild. Hier hatten beispielsweise Patienten aus der Türkei und aus Südeuropa häufiger eine DKA als Patienten ohne Migrationshintergrund oder aus Osteuropa.

Die anfängliche Frage „gleiche Behandlung, gleiche Ergebnisse?“ muss also ganz klar mit „Nein – weder noch“ beantwortet werden. Am Schluss des Vortrages wurden verschiedene Erklärungsansätze für die bestehenden Unterschiede angeboten. Neben genetischen Ursachen wurden Barrieren innerhalb des Gesundheitssystems, religiöse, soziale oder kulturelle Hintergründe (z. B. ein  anderes Krankheitsverständnis) sowie fehlende migrationssensible Schulungs- und Therapieangebote angeführt.

Es wurde deutlich, dass dieses Thema sehr komplex ist und noch viel Forschungsbedarf besteht, um die Ursachen für die Unterschiede zu finden, um dann gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Situation entwickeln zu können.

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