Der adipöse Patient – Psychologie, Programme und Therapie

Die drei Referenten Prof. H. Hauner, Dr. C. Holzapfel und Prof. M. de Zwaan liefern brandneue Aspekte, die innerhalb der Adipositastherapie unbedingt berücksichtigt werden sollten.

Fotolia/Paco Ayala

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Prof. Hauner eröffnete die Session mit aktuellen Zahlen zur Adipositasentwicklung. Von 1998 bis 2010 ist die Zahl adipöser Mernschen in Deutschland drastisch angestiegten, was mit diversen gesundheitlichen Einschränkungen assoziiert ist. Aus diesem Grund ist die Adipositas eine zentrale Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem. Allerdings ist sie per se nicht als Krankheit definiert. Deutschlandweit stehen zu wenig Therapieansätze zur Verfügung, um das Adipositasproblem umfassend und vielschichtig anzugehen.

Wer in der Adipositasprävention oder -therapie tätig ist, sollte unbedingt die 2014 erschienene S3-Leitlinine berücksichtigen, in der die drei Säulen der Adipositastherapie ausführlich dargestellt sind: 1) Ernährungstherapie, 2) Bewegungstherapie
3) Verhaltenstherapie. Egal wie man das Adipositasproblem angehen möchte – man sollte auf alle Fälle auf wissenschaftlich evaluierte Methoden zurückgreifen und eine multidisziplinäre, professionelle Betreuung anstreben.

Dazu schildert Frau Dr. Holzapfel äußerst anschaulich, welche Möglichkeiten neben den konservativen Methoden zur Verfügung stehen. Neuartige telemedizinische Ansätze wie telefonbasierte Ernährungsberatung, die online Betreuung, oder gar die Möglichkeit über App-Dialoge Unterstützung von Gleichgesinnten zu erhalten sind moderne Tools, die in Zukunft immer präsenter sein werden. Dabei scheint es nach aktueller Studienlage noch schwierig, eindeutige Erfolge für eine langfristige Gewichtsabnahme festzustellen. Fakt ist: Egal ob als Schrittzähler, Ernährungstagebuch oder Aktivitätstracker – Gesundheits-Apps werden immer häufiger nachgefragt und werden in Zukunft nützlich sein, um die konservative Adipositastherapie begleitend zu unterstützen.

Im Rahmen der Adipositastherapie sollten psychologische Komponenten auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Frau Prof. de Zwaan schildert sehr anschaulich, welchen psychologischen Herausforderungen sich Adipöse zu stellen haben. Dabei scheinen Stigmatisierung und Diskriminierung von Adipösen keine Seltenheit zu sein. Ein kleiner Trost für alle Betroffenen: Neben Umwelteinflüssen haben unsere Gene einen entscheidenen Einfluss auf die Entstehung der Adipositas. Wer bewusst versucht gegen diese Interaktion anzukämpfen (kognitive Kontrolle), kann dem Teufelskreis der Adipositas entkommen!

 

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