„Den Nerv der Kongressteilnehmer getroffen: Unkonventionelle Diagnostik bei diabetischer Polyneuropathie“

Alle Stuhlreihen sind belegt, in den Gängen stehen und sitzen begeisterte Zuhörer, selbst der Vorsitzende Prof. Dan Ziegler ist überrascht von einem solchen Andrang.

Diabetische Polyneuropathie – ein Thema, was die Menge bewegt, gefürchtet und gleichermaßen unterschätzt ist. So gibt Redner Priv.- Dozent Stirban gleich zu Beginn Grund zur Besorgnis. Eine repräsentative Untersuchung von Passanten ergab, dass von denen mit Diabetes 67% nichts von ihrer Polyneuropathie wussten. Ein Defizit in den derzeitigen Screeningmethoden?

Die periphere Polyneuropathie beschreibt die Volumenreduktion, meist peripherer Nervenfasern unterschiedlicher Qualitäten durch systemische Erkrankungen, wie den Diabetes mellitus. Bei Erstdiagnose eines Diabetes Typ 2 soll das Screening direkt beginnen. Durchzuführende Maßnahmen sind der Stimmgabeltest, Eigenreflexstatus der unteren Extremitäten, sowie Testung der Berührungs-, Druck-, Schmerz- und Temperaturempfindung.

Sind diese Methoden denn dann zu ungenau oder aus Zeit und Kostengründen gar nicht erst durchgeführt? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, sodass sich gefragt werden musste – wie ist es zu schaffen mehr Polyneuropathien, frühzeitig zu diagnostizieren?

Ein Überblick über neue Screeningmethoden wirkt vielversprechend und in manchen Fällen wirklich ein bisschen unkonventionell.

Eine der aufkommenden neuen Methoden ist der AGE-Reader. AGE steht hierbei für advanced glycation endproducts, ähnlich des HbA1c, die bei Infrarotbestrahlung eine Eigenfluoreszenz besitzen. Die Intensität gibt dabei die abgelagerte Menge an AGE im Gewebe wieder. In einer Multi-Center-Studie aus 2018 mit 497 Probanden wurden die Age-Reader Ergebnisse mit dem Toronto Clinical Neuropathy Score verglichen. Mit einer Sensitivität von 55% und Spezifität von 59% ist damit laut Stirban zwar kein gutes Messverfahren für die Diagnostik von PNP gefunden worden, doch lässt es in anderen Gebieten hoffen. Anderen Studien ist zu entnehmen, dass die AGE Autofluoreszenzintensität mit dem Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen des Diabetes korreliert.

Als eines am besten in der Praxis umsetzbares Verfahren bewertet der Redner das Neuropad. Ein Pflaster, das am Fuß befestigt wird und durch das im Schweiß enthaltene NaCl einen Farbumschlag des Pflasters bewirkt. Bei autonomen Störungen bleibt der Farbumschlag aus.

Mit dieser Auswahl neuer Screeningmethoden stehen die Chancen gut, deutlich mehr Diabetes-Patienten mit einer Polyneuropathie in der ambulanten Versorgung zu identifizieren.

Sina Kittlaus

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