DDG-Symposium Diabetologie Task Force 2025: Telemedizin und Digitalisierung

Digital Diabetes: Kommentar

Das sich Technologie im letzten Jahrhundert immer mehr in unser Leben schleicht, beobachten manche mit Freude, manche mit Misstrauen, manche bemerken es gar nicht. Das es aber passiert, ist nicht zu leugnen und dabei stellt sich unmittelbar die Frage: Was bedeutet diese Entwicklung für den Patienten? Und was bedeutet sie für den Arzt?

Zu diesem Thema wurden ein paar interessante Anstöße von Frau Droßel und Herr Ickrath am 11.11.2016 im Plenum der Frankenhalle gegeben. Dabei thematisierten sie hauptsächlich die Entwicklung, die Gefahren, aber auch das Potential der Telemedizin.

Es gibt mittlerweile mehrere tausend Apps für Smartphones, Wearables und Watches die das Monitoring und die therapeutische Begleitung von Patienten unterstützen sollen. Dies birgt viele Vorteile, in dem zum Beispiel idealerweise erhöhte Zugänglichkeit, sowie mehr Qualität und Sicherheit in der Patientenbetreuung gewährt werden können, jedoch ist es mittlerweile immernoch so, dass die momentane medizinische Versorgung in Deutschland im Großen auf diese Entwicklung (noch) nicht angemessen vorbereitet ist.

Es besteht eine stark ausgeprägte Heterogenität in der Qualität dieser neuen telemedizinischen Geräte. Ein beträchtliches Defizit zeigt die Tatsache, dass viele von den Apps nicht ausreichend in ihrer medizinisch Validität, Funktionalität und Aussagekräftigkeit geprüft werden. Dadurch verlassen sich Benutzer potenziell auf Informationen, die irrelevant oder schlimmstenfalls falsch sind. Es werden beim Monitoring Daten gemessen, deren jetzige Algorithmen noch nie unabhängig überprüft wurden und daher nur fragewürdige Aussagen über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten treffen können.

Die geprüften telemedizinischen Messverfahren könnten als eine sehr hilfreiche Bereicherung für die ärztliche Patientenversorgung wirken, jedoch müssten sich dafür auch die Behandlungsstandards, besonders in den ambulanten Praxen, an dieses neu-verfügbare Medium anpassen. Es bestehen immer noch keine standardisierten Fortbildungen für die ärztliche Betreuung von telemedizinischer Versorgung.

Desweiteren ist es unabdinglich, dass das Deutsche Gesundheitssystem bald zum Thema Datenschutz in der Telemedizin Stellung nimmt. Die telemedizinische Überwachung soll als Unterstützung gesehen werden und keinesfalls zu Vor- und Nachteilen in anderen medizinischen, oder auch beruflichen Aspekten (z. B. Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung) führen. Zudem müsste man klären, wie ein gleichberechtigter Zugang für alle Bürger ermöglicht werden kann.

Zusammenfassend steht also noch viel Arbeit bevor, bis diese medizinische Digitalisierung „verwertbare“ Früchte tragen kann. Dafür müssen Patient, Arzt, Produkthersteller und Politiker in Diskurs treten um einen bestmöglichen Lösungsweg zu finden. Sollte dies gelingern, bedeutet die Telemedizin viele Vorteile und Möglichkeiten für die Versorgung, in dem sich im besten Fall das Arzt-Patienten Verhältnis auch von einer eher paternalistischen zu einer partizipativen Beziehung entwickelt.

Wir werden schauen, was passiert.

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