Darf ich meinen Patienten dazu raten, (selbst gebaute) closed loop Systeme zu benutzen?

Dies fragte eine junge Ärztin, die sich selbst als „Looperin“ bezeichnete, nachdem Prof. Heinemann über closed loop Systeme berichtet hatte.

Das Entsetzen im Saal war groß! Aufgrund der Haftung wurde der Dame vehement davon abgeraten, ihren Patienten zu dem Gebrauch eines selbst gebastelten closed loop zu raten. Aber genau diesen (nightscout) Bastlern verdanken wir, dass die 670 G (erste hybrid closed loop Pumpe) so schnell in den USA zugelassen wurde. Ich bestaunte den Mut der jungen Ärztin, sich selbst als „Looperin“ zu bezeichnen und hoffe, dass sie in den nächsten Jahren keinen unverschuldeten Autounfall bauen wird.

Irgendwie war ich auch traurig darüber, dass niemand meiner Patienten „Looper“ ist und ich noch keine Erfahrungen mit der closed loop Technik sammeln konnte. Aber wahrscheinlich müssen wir uns ja auch nur noch zwei bis drei Jahre gedulden, bis wir selbst offiziell zugelassene C-L Systeme in Deutschland haben.

Ich habe CGM Systeme vor zwölf Jahren im Rahmen meiner Promotionsarbeit kennengelernt. Ich erinnere mich noch genau an das unglaubliche Gefühl, dass in diesem Moment die Zukunft begonnen hat. Auch wenn das System damals sehr fehleranfällig, unzuverlässig und komplett unpraktisch war. Es war die Zukunft! Ich hätte nie gedacht, zwölf Jahre später über closed loop nachdenken zu müssen.

Beruhigt hatte mich in der gleichen Vortragsreihe Prof. Liebl, welcher von vier Sensoren bei dem neu geplanten Medtronic Sensor System berichtet hatte. Wenn vier Sensoren sich gegenseitig kontrollieren und dadurch der closed loop gesteuert wird, ist das ja schon eine andere Grundlage als ein Messwert, der darüber entscheidet, ob die Pumpe mit Hilfe eines zusammengebastelten Systems Insulin in deinen Körper schickt.

Wer weiß, über was ich in weiteren zwölf Jahren nachdenken muss. Vielleich über smarte Insuline, die mit winzigen Sensoren im Blut schwimmen?

4 Gedanken zu “Darf ich meinen Patienten dazu raten, (selbst gebaute) closed loop Systeme zu benutzen?

  1. Ja, es ist wirklich schade, dass Sie keinen Patienten mit DIY Loop haben! Ich glaube nämlich, dass das eine durchaus beruhigende Wirkung auf Sie hätte. Oder Sie vielleicht gar euphorisieren würde, so wie das bei den Diabetologen, mit denen ich zu tun habe, der Fall ist.

    Tipp: NDR Gesundheitsmagazin Visite am kommenden Dienstag (14.11.2017) anschauen.

  2. Andere Frage: Der Nutzen von Closed-Loop Systemen wurde schon in mehreren Studien nachgewiesen (Verbesserung des HbA1c bei gleichzeitiger Verminderung der Unterzuckerungen). Darf man seinen Patienten also die Existenz und Verfügbarkeit solcher Lösungen verschweigen und damit ggf. eben nicht auf die bestmögliche Behandlung hinarbeiten?
    Klar ist ein Closed-Loop nicht für jeden das Optimale. Aber es gibt auch Diabetiker ohne Pumpe – jeder also die Therapie, die ihr/ihm am besten passt – und bei dieser Auswahl sollte der DIY-Closed-Loop nicht einfach nur darum rausfallen weil anscheinend viele Ärzte diesen nicht verstehen und sich (abseits von Industrieschulungen?) nicht mit dem Thema beschäftigen.
    Die zugrundeligenden Algorithmen und Entscheidungsgrundlagen sind auf http://www.openaps.org wunderbar erklärt und auch für Nicht-Computerprofis gut nachzuvollziehen. Dieses kann ich von dem bisher einzigem zugelassenen Closed-Loop Produkt (Medtronic 670G) nicht behaupten – oder kann mir jemand den Algorithmus darlegen?
    Provokant gesagt: Ich vertraue meine Pumpensteuerung jedenfalls lieber einem offengelegten Algorithmus an, den ich auch noch selbst verstehen kann, anstatt einer Firma zu glauben, daß sie die richtigen Sachen patentiert hat und diese Pumpe schon für mich die korrekten Entscheidungen treffen wird.
    Realistisch gehört zu DIY eben genau der „#WeAreNotWaiting“-Gedanke. Wir wollen JETZT die bestmögliche Therapie – und eben nicht irgendwann in 2-3 oder 4 Jahren – also eigentlich nur ein Jahr vor der Heilung, die ja auch immer nurnoch 5 Jahre entfernt ist.

  3. Aha, da sitzen also die Fachleute beisammen und verteufeln die neue Technik, die sie wahrscheinlich noch nicht einmal kennen. Was ist los ? Habt ihr Angst jemand könnte eure Kompetenzen angreifen? Und hatten wir so etwas nicht schon einmal, damals als Mp3 die CD ablöste und die Musikbranche auf den Kopf stellte ? Disruption kann weh tun, besser man bereitet sich darauf vor. Nutzt doch einfach die Zeit bis es kommerzielle CL System gibt dafür euch mit dieser Technik heute schon vertraut zu machen, da sie euch sonst wahrscheinlich überrollen wird.

    „Irgendwie war ich auch traurig darüber, dass niemand meiner Patienten „Looper“ ist und ich noch keine Erfahrungen mit der closed loop Technik sammeln konnte.“ könnte man auch falsch verstehen a la “ lass doch den Patienten das erstmal ausprobieren, wenn es gut läuft profitiere ich gern von seinen Erfahrungen. Gehts aber schief, bin ich zum Glück nicht haftbar und kann sagen, dass ich das ja vorausgesehen habe.“

    Und falls sich jemand fragt, was Leute antreibt sich ein DIY Closed Loop zu bauen, kann hier einen Eindruck bekommen. http://sugartweaks.de/closed-loop-selber-machen/

  4. 4 Sensoren sind sicher besser als ein Sensor. Aber wo liegt der Unterschied, ob der Mensch anhand des einen Sensors, der ihm momentan nun mal nur zur Verfügung steht, seine Entscheidung trifft und Insulin in den Körper pumpt oder ob ein Algorithmus das für ihn übernimmt, der den gleichen Messwert sicherlich optimaler und fehlerfreier interpretieren kann… mir ist das der Algorithmus lieber! Die Fehlerquote wird dadurch reduziert, die Systeme sind vor allem transparent – ich bin Chef meines DIY-Loops!
    Sie können ja gerne noch 12 Jahre nachdenken! Meine Zukunft hat genau JETZT begonnen!

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