Closed-loop-Systeme: nur mit hohem Schulungsaufwand und das ist auch gut so!

Als junge Assistenzärztin in einer Kinderklinik mit einer Diabetesstation in Nordrhein-Westfalen interessierte mich das Symposium „Von CGM und SUP zum closed loop“. Ich sehe, wie viele Kinder aus unserer Klinik von den Continuous Glucose Monitoring (CGM)-Systemen und den Insulinpumpen profitieren. Der großen Frage „Wann kommt die künstliche Bauchspeicheldrüse?“ ist Dr. T. Danne aus Hannover nachgegangen.

Zu Beginn des Symposiums stellte Dr. R. Holl die Studie HypoDe vor. In dieser konnte gezeigt werden, dass die Nutzung von CGM Hypoglykämien um ca. 2/3 reduziert. Er zeigte auch, dass der Anteil der Patienten mit Pumpentherapie in den letzten Jahren rasant gestiegen ist, gerade in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Der Anteil der Patienten mit Insulinpumpe bei Kinder <5 Jahren liegt aktuell bei ca. 90%. Auch der Anteil der Patienten mit CGM liegt zwischen 50-70% in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen.

Was mich und auch unsere kleinen Patienten interessiert: Wie weit sind wir noch vom künstlichen Pankreas entfernt? Bisher zugelassen (allerdings nur in den USA) sind die Hybrid-Closed Loop Systeme, die automatisch die Basalrate (Grundbedarf an Insulin unabhängig der Mahlzeiten) ändern können.  Das Gerät nennt sich Minimed 670G System plus CGM. Für Ende 2019 ist die Zulassung eines „Advanced-hybrid-closed-Loop“-Systems dort geplant welches auch automatisch den Mahlzeitenbolus (zusätzliches Insulin zu den Mahlzeiten) abgeben kann. Wann genau man in Deutschland mit der Zulassung der Hybrid-closed-loop-Systeme rechnen kann ist unklar. Ein Grund ist ein kompliziertes Zulassungsverfahren hierzulande, um die Sicherheit der medizinischen Geräte zu gewährleisten. Weiterhin bedeutet zugelassen auch nicht direkt, dass die Krankenkassen die Kosten hierfür übernehmen.

Woran der Vortrag von Dr. Dannes keinen Zweifel lässt: die closed-loop-Systeme bringen weiterhin einen hohen Schulungsaufwand mit sich. Der Patient muss die Pumpe verstehen, um geeignete Therapiemaßnahmen ergreifen zu können. Ein Beispiel Szenario wäre z.B. eine Kohlenhydrateinnahme zur Nacht bei niedrigen Blutzuckerwerten. Misst das CGM-System einen niedrigen Gewebeblutzucker und würde daraufhin die Pumpe die Basalrate automatisch erniedrigen, um eine Hypoglykämie zu vermeiden. Nimmt der Patient nun eine Kohlenhydratmahlzeit ein, käme es zur Hyperglykämie aufgrund der runterregulierten Basalrate.

Neu für mich waren die von Dr. Braune vorgestellten Open-Source-closed-loop–Plattformen, auch Artificial-Pancreas-Systeme (APS) genannt. Diese Online-Plattformen stellen Apps für ein Hybrid-Closed-loop-System zur Verfügung. Alles was man dazu braucht sind ein CGM-Gerät, eine Insulinpumpe, die Cloud-basierte Software und ein Smartphone (Hardware).  Ich denke für junge, technisch versierte Diabetiker ist das eine sehr gute Möglichkeit bereits ein Hybrid-closed-loop zu verwenden.  Als Ärztin darf ich meinen Patienten allerdings nicht zur Nutzung dieser Systeme raten, da sie offiziell nicht zugelassen sind.

Das Symposium zeigt, dass wir technisch nicht weit entfernt von den closed-loop-Systemen sind. Von der Vorstellung „den Diabetes zu vergessen“ und die Therapie an die technischen Geräte abzugeben jedoch schon. Der Patient muss weiterhin „mitdenken“, die Ergebnisse interpretieren können, um geeignete Therapiemaßnahmen zu ergreifen bzw. wenn die Pumpe den automatischen Modus verlässt muss der Patient weiterhin die Standard-Pumpeneinstellungen beherrschen.

Simone Teresa Böhm-González

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