Closed Loop – gar nicht so unaufwendig und einfach, wie man denkt

Auf den DDG-Kongressen und -Tagungen gibt es regelmäßig Vorträge zum Thema „Closed Loop System“. Während der diesjährigen Herbsttagung in Leipzig habe ich mehrere solcher Symposien besucht, ich fand aber den Beitrag mit dem Titel: „DIY: Faszination einer Therapie mit Risiken und Nebenwirkungen“ von Frau Henrike Hilbig aus dem Diabetes Zentrum Nord in Hannover besonders interessant.

Zu Beginn wurden die Risiken, die das „Looping“ mit sich zieht, sowohl für den Nutzer als auch für den Begleiter, dargestellt. Hier wurde die Stellungnahme der DDG dazu erwähnt, die besagt, dass „aktive Unterstützungsmaßnahmen des Arztes beim Einsatz des selbstgebauten Systems (…) zu straf- und haftungsrechtlichen Risiken führen“ können. Dies ist einer der Gründe, warum das Thema von den meisten Ärzten mit großer Distanz betrachtet wird.

Später ist Frau Hilbig auf den jetzigen Stand der Diabetes-Therapie eingegangen: Insulinpumpen und CGM-Systeme sind zugelassen und werden verschrieben. Der Patient muss geschult werden, damit er Basalraten berechnen kann und die Kurven interpretieren kann. Genauer genommen haben wir hier also ein System, welches aus folgenden Bestandteilen zusammengesetzt ist: Einem Sensor zur Blutzuckermessung, dem Gehirn (des Patienten) zur Berechnung des Insulinbedarfes anhand ihm bekannter Faktoren sowie einer Pumpe, die eingestellt wird und Insulin abgibt. In dem Moment, wo der Patient erneut die Blutzuckermessung mit seinem Sensor durchführt, schließt sich die Schleife und es entsteht ein biologisches „Do-it-yourself Closed Loop“.

Die Voraussetzung dafür, dass das System problemlos funktioniert, ist unter anderem, dass der Patient regelmäßig den Wert scannt und entsprechend interveniert, falls dieser vom Zielbereich abweicht. Das Scannen ist aber nicht immer möglich, weil ein Diabetiker auch Familie und Hobbies hat sowie möglichst ungestört nachts schlafen möchte. Im Jugendalter kommen dann noch Motivationsfragen dazu, weil man in der Pubertät nicht unbedingt Zeit und Lust findet, sich mit der Diabetestherapie intensiver zu beschäftigen. In meinem alltäglichen Patientenkontakt erlebe ich es öfters, dass die jungen Patienten der Meinung sind, dass das Closed Loop System bei Weitem nicht so aufwendig sei.
Der Vortrag von Frau Hilbig hat mir aber gezeigt, dass es nicht ganz stimmt. Das „Looping“ erfordert – zumindest am Anfang – nicht nur große Mengen an Motivation, sondern auch, dass der Patient sich mit seinem Diabetes gut auskennt. Jeder Looper braucht zwingend eine Beratung, denn auch wenn bei der Einrichtung der App ein obligatorisches Lernprogramm durchlaufen werden muss (der z.T. sogar aus Prüfungsfragen besteht), ergeben sich im Verlauf oft Fragen, die nur von einem Diabetologen am besten beantwortet werden können.

Was ich für mich aus dieser Session mitgenommen habe ist zum Einen, dass das Closed Loop System nicht für jeden Patienten eine optimale Option ist und zum Anderen, dass selbst das DIY Closed Loop noch Optimierung braucht, sowohl von der technischen als auch von der rechtlichen Seite. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich dieses Feld weiterentwickelt und freue mich deshalb jetzt schon auf den Diabetes Kongress 2020 in Berlin, wo wir alle sicherlich viel Neues erfahren und dazulernen werden.

Irena Drozd

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