CGM ab Erstmanifestation – oder: “Je früher, desto besser?“

Aufgrund der Vielzahl spannender Themen auf dem Kongress war es gar nicht so einfach, sich für ein Thema für den Blog zu entscheiden. Daher habe ich mich entschieden über eine Behandlungsstrategie zu bloggen, die ich persönlich seit ungefähr 1,5 Jahren nutze: die kontinuierliche Glukosemessung (rt- und iscCGM). Zum Zeitpunkt meiner Diagnose vor ungefähr 20 Jahren war daran noch gar nicht zu denken. Doch die CGM gewinnt zunehmend an Stellenwert in der Behandlung (vorrangig) des Diabetes Typ 1 (T1D). Dies wirft die Frage auf: Ab welchem Zeitpunkt sollte dieses System in der Therapie eingesetzt werden?

Da das erste flash glucose monitoring system (FGM) bzw. intermittent scanning continuous glucose monitoring (iscCGM) erst vor wenigen Jahren auf den Markt gebracht wurde, existieren noch keine Langzeitdaten zur möglichen Auswirkung auf Spätfolgen. Derzeit kann der Erfolg der Systeme nur an „akuten“ Parametern festgelegt werden. Dies sind beispielsweise der HbA1c, die Häufigkeit und Schwere der Hypoglykämien/diabetischen Ketoazidose (DKA) bzw. die Rate der Einweisungen in die Notaufnahme aufgrund von Akutkomplikationen. Hier konnte bereits in einer Studie von Mulinacci et. al (2019) gezeigt werden, dass beide Parameter in der Gruppe der CGM-Nutzer im Vergleich zu den Nicht-CGM-Nutzern bereits nach 2,5 Jahren signifikant verringert waren. Dies lässt vermuten, dass ein früher Einsatz des CGM sinnvoll und empfehlenswert ist. Hier ist eine Auswahl des richtigen Sensorsystems für den Patienten/die Patientin und eine intensive Schulung der Kinder und der Familie unumgänglich.

Dr. Torben Biester (Pädiater aus Hannover) geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt die Frage, ob die Nutzung des CGM ab dem Zeitpunkt der Erstmanifestation des T1D nicht bereits zu spät sei? In einer Studie von Steck et. al (2019) wurden die CGM-Verläufe von Risikopatienten (= AK-positive Patienten) ausgewertet. Bei der Patientengruppe, deren Blutzuckerspiegel bei 18% der Messzeit über 140mg/dl lagen, beträgt der positive prädiktive Wert (PPV) 1,0. Das bedeutet, dass bei diesen Patienten ein Diabetes Typ 1 diagnostiziert werden kann, obwohl der HbA1c noch unverändert ist. Hier steht die Überlegung im Raum, dass das CGM-System den bisherigen Standard der Diagnostik (oGTT und HbA1c) ablösen könnte und der Diabetes diagnostiziert werden könnte, bevor er sich mit typischen Symptomen wie Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, DKA … manifestiert. In einer anderen Veranstaltung des Kongresses wurde erwähnt, dass auch heute noch Kinder an einer Fehldiagnose des T1D und an den Folgen der DKA versterben. Dem könnte bei Identifikation der Risikopatienten und frühzeitiger Diagnostik entgegengewirkt werden.

Die ersten Auswertungen der Studien zur kontinuierlichen Glukosemessung lassen bereits Positives erhoffen. Inwieweit sich dieses Messsystem auf die Langzeitschäden des Diabetes auswirkt, wird wohl erst in ein paar Jahren gesagt werden können.

Julia Hupfeld

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