Einbahnstraße Typ-2-Diabetes?

Symposium: Curing diabetes – dream or reality

Weltweit ist die Prävalenz von Typ-2-Diabetes stark zunehmend, ebenso sein größter Risikofaktor: Fettleibigkeit. Gewichtsabnahme gilt daher als wichtiges Mittel, der Erkrankung vorzubeugen und ein Fortschreiten zu verhindern. Die Effekte gehen wohl aber noch darüber hinaus, wie kürzlich veröffentlichte und auf dem DDG-Kongress vorgestellte Daten zeigen:

Unter der Federführung von Prof. Roy Taylor und Prof. Michael Lean konnte im Rahmen der „Direct“-Studie bei 149 übergewichtigen Patienten (BMI 27-45 kg/m2) mit Typ-2-Diabetes gezeigt werden, dass sich über eine radikale Gewichtsabnahme von 10 kg Körpergewicht bei knapp jedem zweiten Patienten eine Remission erreichen lässt. Beträgt der Gewichtsverlust 15 kg, tritt sogar in 89% der Fälle eine Remission ein (Lean et al., Lancet 2018 Feb; 391:541-551). Unter Remission wird dabei eine Senkung des HbA1C unter 6,5% verstanden, dies ohne jede pharmakologische Diabetesmedikation. Bei den kürzlich veröffentlichen 2-Jahres-Daten war jeder dritte Patient weiterhin in Remission (Lean et al., Lancet Diabetes Endocrinol. 2019 May; 7(5):344-355) , was die Bedeutung einer Lebensstiländerung für die Therapie des Typ-2-Diabetes unterstreicht. Je früher nach Erstdiagnose dabei das Gewicht gesenkt werden kann, desto eher ist die harte Arbeit von Erfolg gekrönt. Ein „zu spät“ gibt es dabei jedoch nicht. Auch viele Jahre nach Diagnose ist eine Remission noch erreichbar.

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CGM ab Erstmanifestation – oder: “Je früher, desto besser?“

Aufgrund der Vielzahl spannender Themen auf dem Kongress war es gar nicht so einfach, sich für ein Thema für den Blog zu entscheiden. Daher habe ich mich entschieden über eine Behandlungsstrategie zu bloggen, die ich persönlich seit ungefähr 1,5 Jahren nutze: die kontinuierliche Glukosemessung (rt- und iscCGM). Zum Zeitpunkt meiner Diagnose vor ungefähr 20 Jahren war daran noch gar nicht zu denken. Doch die CGM gewinnt zunehmend an Stellenwert in der Behandlung (vorrangig) des Diabetes Typ 1 (T1D). Dies wirft die Frage auf: Ab welchem Zeitpunkt sollte dieses System in der Therapie eingesetzt werden?

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1921 bis 2019 – bleibt Insulin die einzig sinnvolle Therapie des Typ-1-Diabetes? Eine Diskussion über SGLT2-Inhibitoren als Therapieerweiterung

1921 entdeckten Frederik Banting und Charles Best das Hormon, um das sich heute so viel dreht: das Insulin. Wie vielfältig die Wirkung und der Einfluss auf unseren Stoffwechsel sind, war da noch nicht klar. Dennoch ist es ein Durchbruch in der Diabetesforschung und die erste ‚echte Therapie‘ für tausende Diabetiker. Bis heute. 

Wie kann es sein, dass innerhalb von fast 100 Jahren Insulin die einzige Therapie für Typ-1-Diabetes bleibt? Oder ist es vielleicht gar nicht so aussichtlos, wie es klingen mag? 

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Typ-2-Diabetes heilen… Traum oder Realität?

Auf dem DDG-Kongress durfte ich Teil eines außergewöhnlich spannenden Symposiums sein: Es ging um die Frage, ob Typ-2-Diabetes (T2D) heilbar ist.
Die 4 dazu vorgestellten Vorträge haben ausdrücklich gezeigt, dass der T2D tatsächlich vor allem in den ersten Jahren reversibel zu sein scheint. Was ich als Zuschauer an den Vorträgen besonders interessant fand, ist dass Uneinigkeit darüber zu herrschen scheint, ob dies mit einer strengen Diät zu erreichen wäre oder ob hierfür auf Operationen wie die Magen-Bypass-OP gesetzt werden müsse.

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Glukagon nasal oder als Minidosis – der neue Begleiter für alle Lebenslagen von Typ-1-Diabetikern?

Neben den verschiedenen technischen Geräten, die ein Typ-1-Diabetiker ständig bei sich führt, gibt es einen weiteren treuen Begleiter: den Traubenzucker. Er stellt das Mittel der Wahl dar, um Hypoglykämien frühzeitig und schnell entgegenzuwirken. Sollte es sich um eine sehr schwere Hypoglykämie handeln, ist die präklinische intramuskuläre Injektion von Glukagon von Bedeutung. Prof. Meissner (Universitätsklinik Düsseldorf) stellte Studien zu vielversprechenden Alternativen zur Behandlung der Hypoglykämien vor.

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Adipositas – Neuer Ansatzpunkt zur Behandlung im Gehirn?

Ferdinand-Bertram-Preis der DDG auf dem Diabeteskongress 2019

Übergewicht behandeln? Eine Problematik bei der Behandlung von Adipositas liegt sicher darin, dass eine Lifestyle-Änderung oft nur schwierig umzusetzen ist. Leider ist Adipositas oft durch den Lebensstil (fehlerhafte Ernährung, mangelnde Bewegung) verursacht. Gibt es vielleicht andere Faktoren, die Adipositas begünstigen, an denen eine Therapie ansetzen könnte?

Bei der Verleihung des Ferdinand-Bertram Preises der DDG stellte Prof. Dr. med. Heni heraus, dass das Gehirn eine wichtige Rolle in der Pathogenese der Adipositas einnimmt. Grundlage dafür ist die Insulinwirkung auf Neurone des Hypothalamus. Tatsächlich werden die hypothalamischen Neurone durch Insulin erregt und hemmen die Glukoneogenese in der Leber. Insulineffekte auf den Hypothalamus haben somit einen positiven Effekt auf den peripheren Glukosestoffwechsel. Interessanterweise fehlt dieser Mechanismus bei übergewichtigen Personen und begünstigt die Entwicklung von Übergewicht. Ursache dafür ist eine Insulinresistenz im Gehirn, die bei adipösen Personen häufig vorliegt.

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Diabetes mellitus: Depression und Diabetes Distress

Depression ist eine häufige Komorbidität des Diabetes mellitus: Sie geht mit einer schlechteren Lebensqualität, höheren Gesundheitskosten, einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von diabetesbezogenen Komplikationen und erhöhten Mortalitätsraten einher. Der Vortrag hatte das Motto „Depression und Diabetes – Immer noch eine unheilvolle Kombination“.

Inzidenz einer Depression bei Diabetes Mellitus
Die Heinz-Nixdorf-Recall Studie untersuchte das 10-Jahres-Risiko bei Menschen mit Diabetes (diagnostiziert und nicht diagnostiziert) eine Depression zu entwickeln – verglichen mit Menschen ohne Diabetes. Erklärungsansätze für Komorbidität und longitudinale Studien sind selten, oft mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die Ergebnisse der Studie liegen zwar mittlerweile vor, müssen aber noch weiter diskutiert werden. Es scheint allerdings keine erhöhte Inzidenz gegenüber Menschen ohne Diabetes bei baseline zu geben – interessant: dieser Effekt ist bei Männern möglicherweise ausgeprägter.

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Rund um Typ-2-Diabetes

Die 2. Tageshälfte des gestrigen Nachwuchstages befasste sich mit dem Diabetes mellitus Typ 2. Zunächst wurde die Epidemiologie des Diabetes mellitus in Deutschland und Global – insbesondere dessen Inzidenz bis zum Jahr 2040 betrachtet. Erschreckend: Prognosen des Jahres 2003 zufolge sind 2025 333 Mio. Menschen an Diabetes erkrankt. Diese Zahl wurde bereits 2011 mit 366 Mio. Erkrankten deutlich überschritten. Auch wenn ein weiterer Anstieg schwer zu verhindern ist, so kann doch mit der Primärprävention (u.a. durch Hochrisikointervention und Populationsweite Intervention) großer Einfluss auf die Inzidenzrate genommen werden.

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Wenn der Schwerpunkt falsch gesetzt scheint – Kritik eines Students

Weltweit gibt es circa 425 Millionen Diabetiker. Jährlich erkranken 600 000 Menschen an Diabetes. Sechshunderttausend – das entspricht ungefähr der Größe von Düsseldorf.

Ein kleines bisschen Mathematik mit ‚Augenzwinkern‘:
1 Düsseldorf = 600.000 Menschen
425.000.000 Diabetiker weltweit = 708,33 „Düsseldorfs“
Das entspricht einem neuen Düsseldorf neue Diabetiker jedes Jahr Weiterlesen

Was tun, wenn die Pumpe streikt?

Die Präsentation eines achten Harry Potter-Bandes, die Bekanntgabe des WM-Kaders oder gar der Rücktritt unserer Bundeskanzlerin? All dies hätte die Anzahl der gezückten Kameras und Handys mit Sicherheit erklären können… aber ein Vortrag?

Die Situation sowie der voll besetzte Saal (die ersten Zuschauer wandelten auf den Spuren ihres Studentendaseins und lehnten bereits an den Wänden) zeigten, wie ausgeprägt das Interesse an einem der zentralen Themen des heutigen Tages war: Herzinsuffizienz. Weiterlesen