Mozartmusik oder doch lieber den Gestationsdiabetes behandeln?

Innerhalb des Programmes der Nachwuchsförderung gab es auch wieder den tollen und sehr informativen Nachwuchstag. Es wurden wieder viele interessante Vorträge gehalten – dieses mal gab es auch eine Session über Schwangerschaft und Diabetes. Besonders interessant fand ich die Ergebnisse der aktuellen Forschung von L. Fritsche und seiner Arbeitsgruppe aus Tübingen. Er präsentierte uns in seinem Vortrag „Neue Erkenntnisse zu Gestationsdiabetes“, das die kindliche Herzfrequenzrate durch akut hohe mütterliche Blutglukosewerte ansteigt. Diese hat somit eine direkte, akute Auswirkung auf das Kind. Zudem wurden Experimente durchgeführt, welche zeigten, dass Feten von Müttern mit einem Gestationsdiabetes im Verlauf der Schwangerschaft immer weniger auf akustisch und visuell provozierte Signale im Vergleich mit Feten von Müttern ohne den Diabetes reagieren. Ich fand diese Ergebnisse ziemlich erschreckend. Eine Reizüberflutung durch ständige Mozartmusik auf dem Bauch ist eben doch nicht die Lösung, sondern Prävention und rechtzeitige, nämlich schon vor der Schwangerschaft stattfindende Aufklärung.

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Wundermittel gegen Adipositas und Diabetes Typ 2?

„Kinderleicht 20 Kilogramm in nur 8 Wochen abnehmen“, „DAS Mittel, mit dem die Pfunde nur so purzeln“. Mit diesen und ähnliche Versprechungen der Werbeindustrie werden wir beinahe tagtäglich in den Medien konfrontiert und zum Kauf von teuren Pulvern und Kapseln verleitet. Doch gibt es das wirklich, ein Zaubermittel gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2? Die Lösung für eines der zentralen Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft, für zwei Erkrankungen die sich gegenseitig befeuern und die für etliche Folgeerkrankungen verantwortlich ist? Die Antwort darauf – das mag wohl kaum jemanden überraschen – lautet kurz und knapp: (Noch) nicht. Ein wichtiger Vermerk dazu lautet jedoch: Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp und sein Team sind auf einem vielversprechenden Weg in diese Richtung! Daher wurde der Leiter des Helmholtz-Institutes in München absolut zu Recht auf dem diesjährigen DDG-Kongress geehrt und für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Rolle von Poly-Agonisten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 mit der Paul-Langerhans-Medaillie 2019 ausgezeichnet. Die Entschlüsselung der Hormonwirkung von Ghrelin, Glucagon, Leptin etc., die in Magen-Darm-Trakt und ZNS für die Regulierung unserer Nahrungsaufnahme und den Blutzuckerspiegel zuständig sind stellten dabei den ersten wichtigen Schritt dar.
Dem Neuroendokrinologen Tschöp gelang die molekularbiologische Imitation dieser einzelnen Botenstoffe, um sie dann in einem „Supermolekül“ dem sogenannten Poly-Agnoisten zu verknüpfen. Sie vereinen und potenzieren somit die erwünschten Wirkungen dieser Hormone mit dem Ergebnis von Verlust an Köpermasse und einem verbesserten Blutglukosespiegel. Prof. Tschöp, ein absolut würdiger Preisträger und ein ein Name, den man sich für die nächsten Jahre merken sollte…

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Welcher Blutdruck darf es sein?

Eine konsequente Blutdruckeinstellung bei Typ-2-Diabetikern ist von großer Bedeutung. Die richtige Einstellung des Bluthochdrucks bei Diabetikern ist ein zentraler Baustein in der Prävention von (kardiovaskulären) Folgeerkrankungen. Doch was ist ein optimaler Blutdruck? Und wie ist dieser am besten zu erreichen?
Prof. Dr. Schmieder (Erlangen) gab in seinem Vortrag „Therapie der Hypertonie: Was sind optimale Blutdruckwerte bei Diabetes?“ einen strukturierten Überblick über die neuesten Empfehlungen der European Society of Cardiology (ESC).

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Freiwillig weniger Zucker?

In ihrem Vortrag gab Frau Bitzer einen interessanten Einblick in die politischen Aktivitäten des Bereichs der Prävention auf Bundesebene.

Die DDG – seit vielen Jahren sehr aktiv im Bereich der Verhältnisprävention tätig – hat 2014 das Bündnis „DANK“ gegründet, dem 22 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Institutionen angehören.
2018 wurde das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragt eine Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu erarbeiten – die DDG war sofort bereit hierbei mitzuwirken. Die bisherigen Ergebnisse dieser Reduktionsstrategie wurden vorgestellt und waren unzureichend. Die Ziele der Reduktionsstragie wurden auf freiwilliger Basis mit der Industrie vereinbart und sind bis 2025 umzusetzen – Maßnahmen bei Nichteinhaltung sind nicht kommuniziert. Die DDG hat sich darauf hin dazu entschieden aus dem Begleitgremium auszusteigen. Dieser Schritt wurde damit begründet, dass keine Nachbesserungen angedacht sind, die DDG keine Einflüsse auf Zielvereinbarungen hat und dass ein Monitoring so niedriger Ziele nicht sinnvoll ist. Die anderen Fachgesellschaften sind im Gremium verblieben, haben aber deutlich Kritik geäußert. Nach dem DDG-Austritt gab es eine große (meist) positive mediale Aufmerksamkeit. Wie geht es weiter?

Weiter ging es mit der Erarbeitung einer verständlichen und vergleichbaren Lebensmittelkennzeichnung. Bestehende Systeme wurden geprüft, der Gewinner: der Nutri-Score.
Der Nutri-Score, bereits in Frankreich etabliert, wurde über 15 Jahre lang wissenschaftlich entwickelt. Mittlerweile sind weitere Länder dabei das System einzuführen. Er führt nachweislich dazu, dass gesünder eingekauft wird. In Deutschland wird der Nutri-Score bereits von 5 Firmen freiwillig genutzt und könnte für Europa einheitlich ausgebaut werden. Dieser Score hätte also viele Vorteile. Frau Klöckner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) möchte für Deutschland stattdessen ein eigenes Modell entwickeln. Ein Nachteil eines eigenen Systems wäre die mehrjährige Entwicklungsphase. Inzwischen wurde bereits ein eigenes System für Deutschland vorgestellt. Dieses scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt verständlich: keine farbliche Kennzeichnung, in 4 Wochen entwickelt und nur mit Fußnoten verständlich. Wie geht es jetzt weiter?

Frau Bitzer machte in ihrem Vortrag deutlich, dass jeder Fortschritt in der Verhältnisprävention mühsam erstritten werden muss und viel Zeit benötigt. Wobei die wissenschaftlichen Erkenntnisse einen geringen Einfluss auszumachen scheinen.

Corinna Wessel

Von einer verrückten Idee zu einer bahnbrechenden Technologie

Vieles hat sich getan in 55. Jahren Deutsche Diabetische Gesellschaft!

Patienten profitieren ungemein von der zunehmende Technologisierung und innovativen Forschung in der Diabetestherapie und Prävention.

Welche Rolle hat die Digitalisierung in dieser Entwicklung? Wie sieht die Diabetologie der Zukunft aus?

Eine gelungenere Eröffnungsrede für den Diabetes Kongress in Berlin, wie die von Research Gate Gründer Dr. Ijad Madisch zum Thema Digitalisierung als immer zentraler werdender Teil der Medizin, hätte es wohl kaum geben können.

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Leber und Sport – eine neue Liebesgeschichte

Auch in diesem Jahr haben wieder viele Kongressteilnehmer an dem Diabeteslauf teilgenommen. Über 400 Teilnehmer stellten sich der Herausforderung die 5,5 km lange Strecke in Anlehnung an den 55. Geburtstag der DDG zu bezwingen. Einerseits um Spenden ein zu laufen, andererseits setzt die DDG mit diesem Lauf aber auch ein Zeichen: Prävention durch Sport – und das nicht nur in der Theorie! 

Jeder weiß: Sport ist gut! Aber warum eigentlich? Sport hat positive Einflüsse auf den Blutzuckerspiegel, den Blutdruck und auch auf die Blutfette. Der Einfluss auf die Skelettmuskelzellen ist gut erforscht, doch darüber hinaus gibt es auch viele Einflüsse auf andere Organe.

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Mehr Kauen gegen den Klimawandel

In einer der e-Posterpräsentationen zum Thema „Lifestyle und Psychosoziales“ tat sich mal ein ganz anderer Weg auf, die Hauptursache des Diabetes zu bekämpfen. In dem Poster ging es um ein intraorales Medizinprodukt, genauer eine Zahnschiene.

Wie die Vortragende, Frau A. Nowak dann genauer beschreibt, handelt es sich um eine Zahnschiene, die die Kau-Fläche verkleinert. Die Probanden wurden gebeten die Zahnschiene vor jeder Mahlzeit einzusetzen. Als Folge wurde nicht nur länger gekaut, sondern auch langsamer gegessen. Das Sättigungsgefühl hatte Zeit einzusetzen und es wurde generell weniger Nahrung aufgenommen.

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Der endlose Kreislauf des Gestationsdiabetes

H.Hauner: Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft-Beudeutung bei Adipositas, Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Ein wichtiges Thema beim diesjährigen Diabetes Kongress war die korrekte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes und die Frage, ob eine frühe Intervention schon während der Schwangerschaft einen möglichen lebenslangen Nutzen für Mutter und Kind hätte.

Um eine optimale Gewichtszunahme bei Schwangeren festzulegen, veröffentlichte das Institut für Medizin (Institute of Medicine, IOM) 2009 Empfehlungen, die kategorisch auf dem präkonzeptionellen Body-Mass-Index (BMI) in der Vorschwangerschaftszeit basieren.

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Von Gabeln zum (Aus-)Löffeln

Mit einer Gabel Suppe essen und die gebündelte Kraft dann nutzen, den besten Fleckenentferner zu entwickeln.

Frustriert und hoffnungslos – so habe ich mich letztes Jahr gefühlt, als ich gesehen habe, wie gering der Stellenwert der Prävention in der Arbeit der DDG zu sein scheint. Ich verfasste im Zuge meines Reisestipendiums einen Blogbeitrag, der einen (zugegebenermaßen schlechten) Vergleich der Inzidenz von Diabetes mellitus mit einer sehr schönen Stadt Westdeutschlands zog. Ich wollte so meine Enttäuschung in Wort fassen.

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Diagnose Diabetes – „Ist doch nichts dabei!“

„Diabetes und Depression – immer noch eine unheilvolle Kombination“ – unter diesem Titel wurden die diesjährigen Beiträge zum Thema Depression als eine sehr häufig vorkommende Komorbidität des Diabetes vorgestellt. Herr Dr. Bernhard Kulzer formulierte in meinen Augen sehr treffend, dass betroffene Patienten häufig medizinisch eingestellt und im Anschluss mit ihrer Diagnose auf sich allein gestellt in den Alltag entlassen werden. Was hierbei leider immer noch zu sehr in den Hintergrund rückt, jedoch sehr präsent ist, sind die psychosozialen Belastungen rund um die Diagnose Diabetes, die viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen.

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